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„Die vollautomatisierte Fabrik wird kommen.“

„Die vollautomatisierte Fabrik wird kommen.“

Wolfgang Rathgeb
45 Jahre alt, gelernter technischer Zeichner, CAD-Methoden-Entwickler bei MTU Aero Engines AG in München.

Über seine Arbeit:
„Wir stellen Module für Triebwerke her, die in zivilen und militärischen Flugzeugen Anwendung finden. Zum Beispiel für den Airbus A 380, den Airbus A 320neo und den Eurofighter. Das ist alles High-Tech mit speziellen, hochwertigen Materialen. Ein einzelnes Bauteil von einem Triebwerksmodul zum Beispiel kann schon mal den Gegenwert eines Mercedes der C-Klasse haben. Ich arbeite in der technischen Entwicklung und betreue das Computerprogramm Siemens NX, mit dem die dreidimensionalen Konstruktionen, die Zeichnungen und verschiedene Berechnungen gemacht werden. Zum einen schulen wir die Anwender in der Bedienung des Programmes und seiner Tools, zum anderen sind wir so etwas wie die Notaufnahme im Krankenhaus. Wenn etwas mit dem Programm nicht klappt, rufen die Leute bei uns an. In dem Job brauchst du psychologisches Geschick. Die Leute melden sich ja gerade dann, wenn die Hütte brennt, wenn sie unter Termindruck stehen. Ich arbeite gern hier in der Abteilung, wir machen auch privat viel miteinander, gehen gemeinsam zum Oktoberfest, fahren sogar zusammen in den Urlaub. Und wenn einer Stress hat, dann helfen wir einander. Die Truppe ist wie eine Familie.“

Über Gewerkschaft:
„Die MTU gehört zu den Top 50 der deutschen Arbeitgeber. Wir haben nicht nur gute Tarifverträge, sondern auch einen guten werksärztlichen Dienst, breite Weiterbildungsprogramme und sogar ein kleines Gesundheitsstudio. Ich sehe die Aufgabe der IG Metall darin, dieses hohe Niveau zu halten. Viele halten das für selbstverständlich, ist es aber nicht. Außerdem ist mir wichtig, dass man auch an andere denkt, wenn es einem gut geht. Deshalb: Wenn wir hier für Tariferhöhungen streiken, dann tun wir das auch für alle, die nicht so stark sind wie wir. Natürlich wird auch mal gemosert über Gewerkschaft. Interessant finde ich: Solche Sprüche von wegen ‚Ihr hättet mehr streiken müssen, ihr hättet dieses oder jenes erstreiken müssen‘ – die kommen meist von denen, die gar nicht Mitglied sind. Für mich ist die IG Metall auch eine Möglichkeit, mich politisch zu engagieren. Als Österreicher kann ich hier in Deutschland nicht viel mitreden, außer bei Kommunal- und Landratswahlen, oder auch Sozialwahlen. Deshalb finde ich gut, dass ich mich über die Gewerkschaft politisch einbringen und hier Betriebspolitik machen kann.“

Über die Arbeit der Zukunft:
„Industrie 4.0 ist bei uns ein großes Thema, und unser Betriebsrat nimmt das sehr ernst und schaltet sich da ein. Das finde ich gut und wichtig. Ich mache mir nichts vor: Die vollautomatisierte Fabrik wird kommen, viel Handarbeit wird da nicht übrigbleiben. Das ist eine zweischneidige Angelegenheit: Einerseits finde ich diese technischen Möglichkeiten faszinierend und denke: Wir müssen da rein, wir müssen dabei sein. Andererseits weiß ich, dass das viele unserer heutigen Arbeitsplätze kosten wird. Aber stellen wir uns vor, wir hätten damals in den 90er-Jahren gesagt: Das hier (zeigt auf seinen Bildschirm), CAD und so, Zeichnungen mit Computer, das machen wir nicht mit – wer weiß, was das hier heute für eine Firma wäre. Vielleicht würden wir dann maximal noch Brötchen verkaufen.“

Was ihm bei der Arbeitszeit wichtig ist:
„Mir ist wichtig, dass die Arbeitszeit gut geregelt ist. Das ist sie bei uns. Wir haben hier viele verschiedene Arbeitszeitmodelle, da ist für jeden etwas dabei: Wenn man Kinder hat, wenn man die Eltern pflegen muss; man kann auch bis zu einem halben Jahr aussteigen und ein Sabbatical machen.“

Fotos: Stephen Petrat.

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