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„Als ich 1970 anfing, sahen elektrische Schaltungen noch ganz anders aus.“

„Als ich 1970 anfing, sahen elektrische Schaltungen noch ganz anders aus.“

Werner Wichmann
63 Jahre alt, gelernter Starkstromelektriker, arbeitet als Betriebselektriker bei Wilhelm Bauer in Hannover.

Über seine Arbeit:
„Wir bearbeiten die Oberflächen von Walzen. Die Walzen kommen hier an und werden bei uns verchromt, geschliffen und poliert oder gestrahlt. Sie werden später in der Kunststoffindustrie eingesetzt, zum Beispiel zur Herstellung von Fotopapier, Milchkartons, Kunststoffleder, Tischdecken oder Folien. So eine Folie zum Beispiel muss auf eine bestimmte Stärke gewalzt werden. Für diese Zwecke ist Chrom die beste Oberfläche. Präzision ist sehr wichtig. Wir arbeiten hier im Tausendstel-Millimeter-Bereich – bei Walzen von mehreren Metern Breite. Meine Aufgabe ist es, alles am Laufen zu halten. Ich muss die Maschinen instand halten, Teile erneuern, Wasseranalysen von unserem Schleifwasser erstellen oder die Betriebsmittel überprüfen. Das ist sehr abwechslungsreich. Ich könnte niemals irgendwo am Band arbeiten.“

Sein Blick auf das Berufsleben:
„Ende des Jahres streiche ich hier die Segel. Ich arbeite noch meinen Nachfolger ein und gehe dann mit 64 Jahren in Ruhestand. Ich hatte in meinem Berufsleben nie große Probleme mit den Kollegen und bin immer gut zurechtgekommen. Ich habe 1970 angefangen – damals sahen elektrische Schaltungen noch ganz anders aus. Immer wieder sind neue Dinge dazugekommen. Aber schlecht waren die alten Sachen auch nicht – halt alles größer und nicht so platzsparend wie heute.“

Über Gewerkschaft und Betriebsrat:
„Wir sind seit acht Jahren gewerkschaftlich organisiert. Das war ein langer Kampf. Der Betriebsrat wurde als Feind angesehen. Angefangen hat es damit, dass der Arbeitgeber kein Weihnachtsgeld mehr zahlen wollte. Vor Gericht hat er verloren, und das war dann auch der Auslöser für viele, in die Gewerkschaft einzutreten. Heute hat sich das Verhältnis zwischen der Geschäftsführung und uns normalisiert. Schon bevor ich hier vor 30 Jahren anfing, war ich Gewerkschaftsmitglied. Damals in der IG Chemie, weil ich in der Zementindustrie gearbeitet habe. Dort war ich viele Jahre Betriebsrat. Mir war es in dieser Funktion immer wichtig, für die Kollegen da zu sein. Ich bin in die Gewerkschaft eingetreten, weil es mir wichtig war, etwas im Rücken zu haben. Ich wollte nicht alleine dastehen und alles schlucken müssen, was von oben kommt.“

Fotos: Stephen Petrat.

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