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„Früher hast du an einem Teil sechs Stunden gefräst, heute macht die Maschine das in sechs Minuten.“

„Früher hast du an einem Teil sechs Stunden gefräst, heute macht die Maschine das in sechs Minuten.“

Werner Turowski
51 Jahre alt, gelernter Maschinenbaumechaniker, arbeitet als Zerspanungsmechaniker bei Boschert in Lörrach.

Über seine Arbeit:
„Wir sind ein alteingesessenes Maschinenbauunternehmen und bauen Maschinen für die Blechbearbeitung. Damit werden dann Bleche gestanzt, die überall ihren Einsatz finden, Kühlschränke, Autobleche, alles Mögliche. Wir haben alle großen Namen unter unseren Kunden: ABB, Siemens, Daimler, Miele. Ich arbeite an der Fräsmaschine, und der Ablauf ist immer: Zuerst kommt das Einrichten der Maschine, danach das Programmieren und dann das Fräsen. Jeden Tag produziere ich ein anderes Teil, in der Summe geht das in die Tausende. Derzeit mache ich zum Beispiel eine sogenannte Zunge, ein Teil, welches dann in der Stanzmaschine das Blech festklemmt. Ich habe Freude an dieser Arbeit, denn ich sehe etwas entstehen – wie daraus ein fertiges Produkt wird, eine wirklich sehr moderne High-Tech-Maschine. Und ein Teil meiner Arbeit steckt in dieser Maschine, an diesem Produkt bin ich beteiligt.“

Wie sich die Arbeit entwickelt hat:
„Als ich vor 36 Jahren hier anfing, da habe ich noch ganz konventionell gearbeitet. Dann kamen die ersten automatisch gesteuerten Maschinen, die mit Lochstreifen bedient wurden und wenn der Lochstreifen gerissen ist, flog dir alles um die Ohren. Heute haben wir CNC-Maschinen. Früher hast du an so einem Teil sechs Stunden gefräst, heute macht die Maschine das in 6 Minuten. Die Arbeitswelt wird sich weiterentwickeln wie eh und je, aber was genau kommt, weiß man nicht.“

Über sein Leben:
„Ich bin ein offener und lustiger Mensch. Es heißt ja: Kinder lachen 200 Mal am Tag, Erwachsene noch 20 Mal am Tag, und Tote lachen gar nicht mehr. Also lachen wir besser, so viel wir können. Mein Hobby ist das Singen, als Bassist in kirchlichen und in weltlichen Vereinen, und Organist bin ich auch. Ein schönes Hobby ist das, die Musik.“

Über die IG Metall:
„Ohne IG Metall geht nichts. Wir haben der IG Metall gute Tarifverträge zu verdanken, zum Beispiel die 35-Stunden-Woche oder den 30-tägigen Urlaub. Außerdem bekommst du Rechtsbeistand – was wir hier im Haus zum Glück nicht brauchen. Es hat mal einer zu mir gesagt: Wozu bist du in der IG Metall, das brauchst du doch nicht. Da habe ich geantwortet: Wozu brauchst du die Feuerwehr? Du brauchst sie, wenn es brennt. Ein bisschen Sorgen mache ich mir, wenn die jungen Leute nicht mehr so einfach eintreten. Wir Alten mussten alles noch erkämpfen, und die Jungen haben es geschenkt bekommen. Da müssen wir aufpassen, dass die Jungen das auch zu schätzen wissen, sonst werden die Tarifverträge eines Tages löchrig.“

Fotos: Stephen Petrat.

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