Portraits 125 Jahre IG Metall

„Welche Firma würde denn freiwillig den Lohn erhöhen?“

„Welche Firma würde denn freiwillig den Lohn erhöhen?“

Viola Schipp
37 Jahre alt, produziert Stifte bei Faber-Castell in Geroldsgrün.

Über ihre Arbeit:
„Wenn’s gut läuft, produziere ich hier in einer Schicht 30.000 Stifte. Ich mache Feinschreiber oder auch Textmarker. Die Maschine setzt die Einzelteile des Stiftes zusammen, die Hülle, den Faserstift im Inneren mit der Tinte, den Stopfen obendrauf, dann die Spitze. Momentan stellen wir viele Stifte her, die von Künstlern benutzt werden, zum Zeichnen von Mangas zum Beispiel.“

Portraits 125 Jahre IG MetallWas ihr an der Arbeit gefällt:
„Ich bin an der Maschine für die komplette Qualitätssicherung zuständig, fülle Tinte nach oder die Einzelteile und schaue, dass alles läuft. Mir macht das Spaß, ich kenne die Maschinen oft schon lange. Wir sind auch für das Einrichten der Maschinen verantwortlich. Das heißt: Wenn die Produktion auf einen anderen Stift umgestellt wird, dann richte ich die Maschine entsprechend ein. Dadurch wird es nie langweilig, es kommt immer was Neues. Wir können hier auch Verbesserungsvorschläge machen. Wenn ich einen Vorschlag habe, reiche ich den ein. Das wird hier schon ernst genommen, und das finde ich gut. Die besten Vorschläge werden prämiert. Da gibt es dann einen hochwertigen Kugelschreiber. Davon habe ich schon eine ganze Menge zu Hause (lacht).“

Über Gewerkschaft, Lohn und Leistung:
„Ich finde es wichtig, dass jemand da ist, der unsere Interessen vertritt. Welche Firma würde denn freiwillig den Lohn erhöhen? Als ich hier angefangen habe nach meiner Ausbildung, da haben die Frauen noch weniger verdient als die Männer. Damals gab es noch diese Leichtlohngruppen. Da wurde dann gesagt: Die Männer machen die schwerere Arbeit an den Maschinen, deshalb bekommen die mehr. Irgendwann standen die Frauen auch an den Maschinen und wurden immer noch schlechter bezahlt, das war unfair. Gut, dass sich das geändert hat, und das hat unser Betriebsrat zusammen mit der Gewerkschaft erreicht. Jetzt werden wir nach unserer Leistung eingruppiert und entsprechend bezahlt. Wenn man nach Leistung bezahlt wird, kann man nichts dagegen sagen, das finde ich fair. Die Leistung kann ich bringen oder eben nicht.“

Fotos: Stephen Petrat.

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