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„Ohne die Tarifverträge der IG Metall könnte ich nicht in Altersteilzeit gehen.“

„Ohne die Tarifverträge der IG Metall könnte ich nicht in Altersteilzeit gehen.“

Ulrich Schuchardt
59 Jahre alt, gelernter Kfz-Elektriker, arbeitet bei John Deere in Mannheim.

Über seine Arbeit:
„Ich verpacke Traktorteile, also zum Beispiel Wellen. Die bekommen einen Materialausgabeschein und werden dann in Kisten in unser Teilelager in Bruchsal verschickt. Das ist eine leichtere Arbeit als meine frühere Tätigkeit. Ich habe fast 40 Jahre lang als Montageschlosser am Fließband gearbeitet. Da war ich bei der Kabinenhochzeit eingesetzt, wenn die Fahrerkabinen auf die Maschine gesetzt werden. Wir waren da mit vier Mann und haben an einem guten Tag 130 bis 140 Traktoren gemacht. Heute kann ich das nicht mehr, weil ich krank geworden bin. Ich darf nicht mehr als fünf Kilogramm heben, und der Arzt hat mir taktgebundene Arbeit verboten. Diese leichtere Arbeit hier ist wie ein 6er im Lotto für mich.“

Über Existenzängste:
„Ich war 18 Monate lang krank und stand kurz vor der Aussteuerung. Der Geschäftsführer hat gesagt, wir haben keine Arbeit mehr für dich. Ich stand vor dem existenziellen Aus. Ich hatte auch bloß noch 1.000 Euro im Monat, die Miete kostet schon 720 Euro. Wie soll das gehen? Meine Frau hat sich damals große Sorgen gemacht, und das Arbeitsamt wollte, dass ich mir eine andere Wohnung nehme. Zum Glück haben sich Mehmet und Thomas (Schwerbehindertenvertreter bei John Deere, Anmerkung der Redaktion) für mich eingesetzt, sonst wäre ich auf der Straße gelandet. Den beiden habe ich diesen Arbeitsplatz hier zu verdanken, die haben dafür gekämpft, dass ich bleiben kann. Jetzt geht’s mir besser, ich bin wieder ein anderer Mensch geworden, viel lockerer. Ich gehe morgens wieder gerne zur Arbeit. Die Kollegen sind in Ordnung hier. Ab und zu besuche ich in den Pausen noch meine alten Kollegen am Fließband.“

Über Gewerkschaft:
„Gut, dass es die IG Metall gibt. Ohne die Tarifverträge der IG Metall könnte ich nicht in Altersteilzeit gehen, weil das Geld nicht reichen würde. Ich arbeite jetzt noch 27 Monate und bekomme 82 Prozent vom Vollzeit-Netto, danach gehe ich 27 Monate in die Freistellung und bekomme ebenfalls 82 Prozent. Das ist in Ordnung so.“

Fotos: Stephen Petrat.

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