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„Wir müssen heute viel flexibler sein und werden mehr in die Verantwortung genommen.“

„Wir müssen heute viel flexibler sein und werden mehr in die Verantwortung genommen.“

Udo Pape
54 Jahre alt, gelernter Lackierer, arbeitet als Lokbauer bei Bombardier in Kassel.

Über seine Arbeit:
„Ich arbeite in der Lackiererei und bin dort für das Farbenlager verantwortlich. Meine  Aufgabe besteht darin, Farben und Klebstoffe bei den Lieferanten abzurufen, das Material einzulagern und ordnungsgemäß im System zu verbuchen. Ebenso bin ich für die Beschriftung, Protokollierung und für die spätere Entsorgung von Alt- oder Restware zuständig. Ich bereite auch die Farben für die Lackiererei vor und habe dafür zu sorgen, dass sie rechtzeitig dort ist. Ich habe 1977 meine Lehre hier im Betrieb gemacht, und seitdem viel erlebt. Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen, denn die Firma ist wie mein Zuhause.“

Über die Stimmung am Arbeitsplatz:
„Die Stimmung am Arbeitsplatz ist nicht mehr so positiv, weil das Unternehmen ständig mit Standortverlagerung oder Werkschließungen droht und die Mitarbeiter so verunsichert werden. Da werden Standorte gegeneinander ausgespielt und Ängste geschürt. Die Mitarbeiter fürchten um ihre Existenz. Es wird immer mehr Druck auf die Belegschaft ausgeübt, und die soziale Komponente bleibt dabei auf der Strecke. Früher war vieles einfacher, weil man seine Arbeit erledigen konnte, ohne sich dauernd Gedanken darüber machen zu müssen, wie es weitergeht.“

Wie sich die Arbeit geändert hat:
„Heute wird man viel mehr in die Verantwortung genommen und muss viel flexibler sein als früher. Man muss alles protokollieren und dokumentieren. Die Arbeitszeiten sind flexibler als früher, und die Mitarbeiter können sich teilweise ihre Zeit selbst einteilen.“

Was er sich für die Zukunft wünscht:
„Ich wünsche mir, dass die Leiharbeit abgeschafft oder zumindest deutlich eingeschränkt wird. Wie die Kolleginnen und Kollegen hin- und hergeschoben werden, ist so nicht in Ordnung. Mal arbeiten sie hier fünf Monate, dann sind sie drei Monate draußen. Ich wünsche mir, dass bei all dem Leistungsdenken nicht die Zahlen, sondern der Mensch im Vordergrund steht.“

Über Gewerkschaft:
„Ich bin schon seit 1977 in der IG Metall, und in jeder Abteilung, in der ich längere Zeit gearbeitet habe, bin ich Vertrauensmann geworden. Jetzt bin ich Betriebsrat und versuche mich für meine Kolleginnen und Kollegen einzubringen. Ich bin Metaller aus Überzeugung, denn das sind die einzigen, die für uns etwas tun. Mich ärgert, dass Nichtmitglieder von den Tarifverträgen profitieren und alles als selbstverständlich hinnehmen, obwohl sie nichts dafür tun.“

Fotos: Stephen Petrat.

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