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„Wichtig finde ich, dass es Möglichkeiten gibt, eine Auszeit zu nehmen.“

„Wichtig finde ich, dass es Möglichkeiten gibt, eine Auszeit zu nehmen.“

Udo Nachtigall
56 Jahre alt, Maschinenführer bei Alu Norf in Neuss, gelernter Betriebsschlosser

Über seine Arbeit
Wir produzieren hier Aluminium in allen möglichen Legierungen. Daraus werden später dann Bleche für die Automobilindustrie, Alufolien oder Druckplatten. Das hier ist das weltgrößte Warmwalzwerk, im Jahr gehen hier 1,5 Millionen Tonnen Aluminium raus. Als Maschinenführer arbeite ich an der Säge und an der Fräse. Die großen Aluminiumbarren werden gesägt und anschließend gefräst. So ein Barren wiegt je nach Größe um die zehn und bis zu 30 Tonnen. Wenn ich nicht an einer der Maschine eingesetzt bin, arbeite ich im Deckenkran. Wir nennen das den Unter-Dach-Facharbeiter (lacht). Da transportiere ich mit dem Kran die Barren durch die Halle.

Was ihm an der Arbeit gefällt
Mir macht das Spaß, es gibt jeden Tag etwas Neues. Mal spinnt die Anlage, dann muss man schauen: Was ist los? Dann gibt es wieder etwas anderes. Es ist immer abwechslungsreich, auch weil ich nicht immer dieselbe Tätigkeit mache. Ich habe immer für sechs Tage am Stück einen anderen Arbeitsplatz, mal an der Maschine, mal im Kran, dann fahre ich Stapler. Außerdem bin ich hier mein eigener Herr, ich werde nicht gestört und kann in Ruhe arbeiten. Ich mache das jetzt seit 22 Jahren und habe viel Erfahrung gesammelt über die lange Zeit, und ich kann anderen Kollegen damit helfen.

Über Gewerkschaft
Ich war schon immer in der Gewerkschaft, seit 1980, früher in der IG Chemie, und auch während der Bundeswehrzeit bin ich dringeblieben. Ohne Gewerkschaft kann man großartig nichts erreichen. In Unternehmen, wo es keine Gewerkschaft gibt, musst du alleine zum Chef gehen, wenn was ist. Ich habe auch schon in solchen Firmen gearbeitet. Da ist irgendwann der Chef aufgeflogen, weil er alles verwanzt hatte. Ja, so etwas gibt es. Da bin ich froh, dass hier alles geordnet abläuft.

Was ihm bei der Arbeitszeit wichtig ist
Ich arbeite 35 Stunden die Woche in einem Fünf-Schicht-System, zwei Mal Früh-, zwei Mal Spät- und zwei Mal Nachtschicht, dann habe ich vier Tage frei. Damit komme ich gut zurecht. Wichtig finde ich, dass es Möglichkeiten gibt, eine Auszeit zu nehmen. Wenn man sich zum Beispiel um die Kinder kümmern muss oder um kranke Angehörige. Das wäre wirklich eine gute Sache.

Fotos: Stephen Petrat.

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