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„Wo viele mitmachen, da ist auch viel möglich.“

„Wo viele mitmachen, da ist auch viel möglich.“

Tobias Arnoldi
27 Jahre alt, gelernter Industriemechaniker, arbeitet als Gießerei-Anlagenführer bei Andreas Stihl in Weinsheim.

Über seine Arbeit:
„Wir gießen hier verschiedene Bauteile, zum Beispiel Motorgehäuse für Kettensägen. Die werden aus Magnesium gegossen, weil es ein besonders leichtes und widerstandsfähiges Metall ist. In der Gießerei ist es laut, du brauchst Gehörschutz, und die Luft ist auch nicht die beste. Aber als ich damals ausgelernt hatte, wollte ich hier arbeiten, wegen des Geldes. Wir arbeiten in drei Schichten und bekommen Erschwerniszulagen. Wenn ich schaue, was andere hier in der Eifel verdienen, Handwerker zum Beispiel – dann ist das einfach gutes Geld. Viele Facharbeiter aus der Region gehen mittlerweile zum Arbeiten über die nahe Grenze nach Luxemburg, weil die Abzüge da geringer sind und sie netto mehr herausbekommen. Wir haben hier bei Stihl zum Glück gute Tarifverträge, und alles ist vernünftig geregelt. Letztlich gibt mir das Geld die Möglichkeit, meine Freizeit zu genießen und meinen Hobbies nachzugehen.“

Über Gewerkschaft und Wir-Gefühl:
„Ich war einer von denen, die 2011 in Köln für die unbefristete Übernahme demonstriert haben. Das war für mich einer der schönsten Tage meines Lebens. Ich hatte als Jugendverteter einen halben Bus voll mit Azubis von Stihl organisiert: Gemeinsam sind wir dann zu der Demo der IG Metall gefahren, und dann ging da richtig was ab. 20.000 junge Leute auf der Straße, und dieses Gefühl: Wir kämpfen jetzt gemeinsam für eine gute Sache – das war einfach irre. Und was ist passiert? Ein Jahr später haben wir einen Tarifvertrag zur unbefristeten Übernahme von Auszubildenden durchgesetzt. Wenn man so will, hat die Jugend der IG Metall damit Gewerkschaftsgeschichte geschrieben. Dieses Wir-Gefühl ist es, was mich von Gewerkschaften überzeugt: Wo viele mitmachen, da ist auch viel möglich. Ich bin jedenfalls Gewerkschafter mit Leib und Seele und setze mich für die Interessen meiner Kollegen ein.“

Über Arbeit und Rente:
„Ich wüsste nicht, wie ich in der Gießerei bis 67 arbeiten sollte. Wie soll ich das aushalten, gesundheitlich und mental? Wenn du jung bist, machst du das noch mit. Aber auf Dauer? Die Luft, der Lärm, die Schichtarbeit… Da mache ich mir echt Sorgen um die Zukunft.“

Über Arbeitszeit und Freizeit:
„Das Wochenende ist mir heilig. Ich steige dann auf mein Motorrad und fahre mit Freunden ins Gelände, so richtig rein ins Gemüse. Das ist der Ausgleich, den ich zu der Arbeit hier einfach brauche. Wenn ich mal nicht zum Motorradfahren komme, dann merkt das meine Freundin schon und denkt sich: Owei, owei… Deshalb: Wenn sich das Schichtmodell hier ändern würde und ich müsste am Wochenende durcharbeiten – das wäre für mich eine Katastrophe.“

Fotos: Stephen Petrat.

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