33-Muetzelfeldwerft-Cuxhaven-1669

„Neue Schiffe werden in Deutschland nur noch wenige gebaut.“

„Neue Schiffe werden in Deutschland nur noch wenige gebaut.“

Stefan Goos
56 Jahre alt, gelernter Schiffbauer, arbeitet auf der Mützelfeldtwerft in Cuxhaven.

Über seine Arbeit:
„Wir sind eine kleine Werft mit 50 Leuten und machen überwiegend Reparaturen oder rüsten Schiffe aus. Was wir hier machen, ist Spezialschiffbau. Ich arbeite gerade an einem Ponton-Schiff, damit werden später Flugzeugteile von Airbus transportiert. Große Neubauten machen wir nur noch selten. Wer das Werften-Geschäft kennt, weiß: Neue Schiffe werden in Deutschland nur noch wenige gebaut. Den letzten Neubau haben wir vor drei Jahren gemacht. Das war ein Katamaran und auch gleich eine Herausforderung. Der wurde nämlich aus Kunststoff gebaut statt aus Stahl, da mussten wir kleben statt schweißen. Das war dann für uns auch etwas völlig Neues. Der Investor wollte das Schiff als Wassertaxi benutzen, mit dem Monteure zu den Windkraftanlagen auf hoher See gebracht werden. Das ist ein relativ neues Geschäft, in dem die Holländer stark vertreten sind.“

Was ihm an der Arbeit gefällt:
„Hier im Dock war immer mein liebster Arbeitsplatz. Wenn ich morgens an Bord gegangen bin, den Werkzeugbeutel auf dem Rücken, und dann blickst du dich um, hast diesen Anblick auf den ganzen Hafen – herrlich. Einmal, an einem Tag mit strahlend blauem Himmel, kam hier ein LKW-Fahrer an und sagte: Hier möchte ich Urlaub machen. Ich antwortete: Hier arbeite ich. Da ist mir klar geworden, was für ein schöner Arbeitsplatz das ist.“

Über Betriebsrat und Gewerkschaft:
„Die Mützelfeldtwerft ist durch schwere Gewässer gefahren, was die Besitzer angeht. Alle zwei Jahre hatten wir einen anderen Geschäftsführer, auch Unternehmensberater waren im Haus. Und keiner von denen wusste, was ein Betriebsrat ist. Da hatte ich als Betriebsratsvorsitzender alle Hände voll zu tun. Sich mit denen anzulegen – das hätten wir ohne die IG Metall nicht geschafft. Die IG Metall hat uns immer beigestanden. Sie hat uns auch mal einen Anwalt gestellt, und ich habe in den Seminaren für Betriebsräte viel gelernt. In der IG Metall triffst du Gleichgesinnte. In meinen 17 Jahren als Betriebsratsvorsitzender bin ich viel draußen gewesen, habe andere Metaller kennengelernt. Das hat mir Kraft gegeben. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal zu einer Tarifkommissions-Sitzung nach Hamburg gefahren bin. Da hatte ich das Gefühl: Es ist richtig, was ich mache. Du bist nicht allein.“

Über langen Atem:
„Ich finde das System in unserer Arbeitswelt gut. Wir haben das Betriebsverfassungsgesetz, wir können wirklich etwas zum Besseren verändern. Aber du darfst nie damit aufhören. Sobald du aufhörst, bricht alles wieder zusammen.“

Fotos: Stephen Petrat.

© 2018 Unsere IG Metall