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„Hier wird im Akkord gearbeitet.“

„Hier wird im Akkord gearbeitet.“

Regina Ries
56 Jahre alt, gelernte Bekleidungsfertigerin, arbeitet als Modenäherin bei Wilvorst Herrenmoden in Northeim.

Über das Unternehmen:
„Wir machen festliche Mode für Herren, also zum Beispiel Hochzeitsanzüge, Smokings oder Fracks. In Deutschland wird nicht mehr viel Bekleidung produziert, aber wir haben eine Nische gefunden, und mit dieser Nische fahren wir richtig gut. Wir machen überwiegend Konfektion, aber auf Wunsch fertigen wir auch auf Maß. Wir haben auch schon für Promis geschneidert: André Rieu zum Beispiel, der braucht einen speziellen Schnitt, damit er Geige spielen kann. Dann für Peter Maffay, Thomas Gottschalk oder für Ralf Morgenstern. Hier wird noch viel von Hand gearbeitet. Wir haben über 1000 Oberstoffe auf Lager und versuchen, alles möglich zu machen.“

Über ihre Arbeit:
„Ich bin Teamleiterin am Band, wo die Hosen gefertigt werden. Hier arbeiten 17 Frauen. Ich bin dafür verantwortlich, dass die Qualität stimmt, dass wir die Termine einhalten, dass genug Material da ist. Die Herausforderung ist jeden Tag neu. Das fängt schon morgens an: Wer ist da, ist jemand krank, wie teile ich die Leute ein?“

Über Arbeit, Schweiß und Geld:
„Hier wird im Akkord gearbeitet. Die Leute verdienen gutes Geld, aber es ist auch hart verdientes Geld. Sie haben es sich im wahrsten Sinne verdient. Ich weiß, wovon ich rede, ich habe selbst lange genug an der Maschine gesessen. Diese Erfahrung hilft mir auch in meiner Arbeit als Teamleiterin. Im Sommer wird es hier heiß, 38 Grad, in der Bügelei werden es sogar 45 Grad. Das ist schon ein harter Job. Ständig Bügeln zum Beispiel geht auf die Gelenke, so ein Bügeleisen ist ja schwer.“

Über die IG Metall:
IG Metall muss sein. Die mischen sich ein. Egal wo. Nicht nur tarifpolitisch, sondern auch sozialpolitisch – die IG Metall macht wirklich viel. Ich kann jedem nur empfehlen, sich in der Gewerkschaft zu engagieren. Ich bin heute Betriebsratsvorsitzende, und manchmal mache ich mir Gedanken über die Jugend. Viele junge Leute sind politisch so uninteressiert. Zum Beispiel beim Thema Rente, da müssten die doch die Ohren spitzen. Das betrifft die Jungen doch echt am meisten! Wir haben unsere Rente fast durch, aber selbst wir haben noch mit Abschlägen zu rechnen. Was soll erst mit den Jungen passieren?“

Fotos: Stephen Petrat.

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