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„Wir arbeiten in teilautonomen Gruppen und organisieren uns darin selbst.“

„Wir arbeiten in teilautonomen Gruppen und organisieren uns darin selbst.“

Mona Michaelis
39 Jahre alt, Malerin, arbeitet bei Airbus in Hamburg-Finkenwerder

Über ihre Arbeit:
„Wir bauen Flugzeuge. Hier in Halle 8 rüsten wir den Airbus 320 und 321 aus. Der Rumpf kommt leer hier in die Halle, und dann wird alles eingebaut: die Elektrik, die Mechanik, die Hydraulik, die Fußbodenplatten, die Fenster und die Verkleidung. Das dauert so sechs bis sieben Tage, dann kommt der Rumpf in die nächste Halle. Ich bin Malerin, gelernt habe ich Fahrzeuglackiererin. Ich kitte zum Beispiel Antennen und Frachttore. Der Kitt dient dem Schutz vor Feuchtigkeit und der Flächenangleichung. Auch die Halterungen und Stutzen im Boden, im Frachtraum und im Fahrwerkschacht, wo Kabel, Leitungen und Geräte festgemacht werden, müssen mit Farbe geschützt werden. Im Anschluss werden die Halterungen und Stutzen mit einer Art Hohlraumversiegelung konserviert. Die Konservierung darf eine gewisse Dicke nicht überschreiten, sonst könnten Risse entstehen und Undichtigkeiten hervorrufen.“

Was ihr an der Arbeit gefällt:
„Wir arbeiten hier in teilautonomen Gruppen. Das heißt: Wir organisieren uns als Gruppe von neun Malern selbst. Jede Gruppe wählt einen Sprecher oder eine Sprecherin. Ich bin seit 2013 Sprecherin unserer Gruppe. Wir teilen uns selbst ein, bestellen unsere Farbe und unsere Materialien selbst. Wir sind als Gruppe zur Termintreue verpflichtet, als Sprecherin bin ich auch für die Urlaubsplanung zuständig. Wir haben viele Freiheiten, aber am Ende sind wir auch dafür verantwortlich, dass die Arbeit getan wird.“

Über Leiharbeit und Wanderjahre:
„Angefangen habe ich bei Airbus als Leiharbeitnehmerin, wurde dann aber recht schnell übernommen. Das war vor 16 Jahren, damals fing das gerade erst an mit der vielen Leiharbeit. Ich war vor meiner Zeit bei Airbus schon anderthalb Jahre als Leiharbeitnehmerin unterwegs. Damals war das genial, ich war gerade 21 und bin viel herumgekommen, das hat mir Spaß gemacht. Ich habe als Packerin im Lager gearbeitet oder mal eine Zahnarztpraxis renoviert. Heute würde ich das nicht mehr machen wollen. Wir haben noch viele Leiharbeitnehmer bei Airbus. Die sind zwar lohntechnisch angeglichen, aber es wäre schöner, wenn Sie alle eingestellt werden würden. Seit ein paar Jahren gibt es auch Werkverträge bei uns, da werden Arbeitspakete nach draußen vergeben, wo das Lohngefüge nicht bekannt ist. Bei den Werkverträgen ist Equal-Pay ausgehebelt.“

Wie sich ihre Arbeit entwickelt hat:
„Als ich das erste Mal hierher zu Airbus kam, dachte ich: Wow, Flugzeuge bauen – das ist schon echt der Wahnsinn. Nach fünf Jahren dachte ich: langweilig, immer das gleiche. Also habe ich angefangen, mich weiterzubilden: ich belegte verschiedene Lehrgänge und bin dann Eigenprüferin geworden. Da prüft man die Tätigkeiten von Kollegen und muss sicherstellen, dass die Arbeit richtig gemacht wird. Ich hätte auch Meisterin werden können. Aber das wollte ich nicht. Ich bin Gewerkschafterin, für mich passt das nicht, vom Gefühl her. Als Meister musst du zusehen, dass der Flieger rausgeht. Du musst die Leute am Wochenende ins Werk kriegen, damit die Arbeit getan wird. Das kann ich einfach nicht. Ich bin ja selbst gerne am Wochenende zu Hause, wie soll ich da jemanden überzeugen, dass er am Wochenende arbeitet?“

Über Gewerkschaft und Betriebsrat:
„Viele werfen ja Gewerkschaft und Betriebsrat in einen Topf. Ich musste auch erst lernen, dass das ein Unterschied ist. Die Gewerkschaft macht Tarifverträge, vertritt also die Arbeitnehmer, während der Betriebsrat in der Mitte der Arbeitnehmer und dem Unternehmen steht und manchmal schwierige Entscheidungen treffen muss. Es gab hier auch schon mal Ärger, und die Leute in meiner Abteilung fühlten sich nicht gut vertreten durch den Betriebsrat. Damals bin ich Vertrauensfrau der IG Metall geworden. Ich bin gerade in so einer Phase, wo ich wissen will: Was geht in der Gewerkschaft? Meine Freizeit ist mir wichtig. Aber die Gewerkschaft auch.“

Fotos: Stephen Petrat.

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