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„Die Elektronik hält jetzt Einzug in den Ladenbau.“

„Die Elektronik hält jetzt Einzug in den Ladenbau.“

Michael Zimmermann
49 Jahre alt, gelernter Holzmechaniker, arbeitet bei Umdasch Shopfitting in Neidenstein.

Über seine Arbeit:
„Wir machen Ladenbau. Wir bauen zum Beispiel Kassentheken oder Regalsysteme für den Einzelhandel. Oder sogenannte Mittelraummöbel. Das sind die Tische, die mitten im Laden stehen und auf denen die Ware liegt. Wir statten ganze Ladenketten aus und sind führend in Europa – was die Qualität angeht und die Einhaltung von Lieferterminen. Holzmechaniker, das ist quasi ein Tischler, der in der Industrie arbeitet. Man lernt in der Ausbildung nicht nur den Umgang mit Holz, sondern auch mit Metall, Aluminium oder Glas. Der Umgang mit dem Material, das liegt mir. Man muss sehr genau arbeiten. Das mag ich.“

Wie sich die Arbeit entwickelt hat:
„Heute läuft vieles automatisch, der Computer erledigt das. Was man früher klassisch von Hand gemacht hat, macht man heute mit dem Kopf. Wenn heutzutage jemand Schreiner lernen will und hat keinen Computer zu Hause – da wird es schon kritisch. Heute brauchst du Background, eine gute Schulbildung und du musst offen für Neues sein. Die Entwicklung wird weitergehen. Elektronik zum Beispiel, die hält jetzt Einzug in den Ladenbau: Es gibt schon Systeme, mit denen die Preise auf den Schildern der Ladenregale über Nacht automatisch angepasst werden. Das wird kommen.“

Über Gewerkschaft, Arbeitszeit und Gesundheit:
„Die IG Metall war schon immer ein Thema für mich. Ich bin bereits in der Lehre eingetreten und dann recht schnell Betriebsrat geworden. Unsere Belegschaft ist politisch interessiert. Geld und Arbeitszeit sind bei uns immer ein Thema. Wir haben hier die 38,5-Stunden-Woche mit einer Flexi-Regelung: Die Arbeitszeit kann auf 43,5 Stunden steigen. Mittlerweile sagen viele Leute im Betrieb: Das wird mir zu viel. Die Kolleginnen und Kollegen fragen sich: Wie kann ich altersgerecht arbeiten? Im Alter kann man nicht mehr so wie ein junger Düsenflieger. Das fängt bei den Ohren an, geht über die Augen bis hin zu den Knochen. Uns liegt der Gesundheitsschutz am Herzen. Wir schauen, dass wir körperliche Belastung vermeiden. Überall haben wir solche Vorrichtungen: Saugnäpfe heben die Holzplatten an, Gabelstapler fahren die schweren Lasten. Du musst den Job ja 30 bis 40 Jahre durchhalten. Arbeitszeit wird ein Thema bei uns bleiben. Die Firma überlegt gerade, die Produktion umzustellen. Bislang arbeiten wir mit einem Hochlager, die Teile werden in höheren Losgrößen auf Vorrat produziert. So ein Lager kostet Geld, und die Firma will zurück auf Losgröße eins. Das heißt: Die Teile werden auf Bestellung produziert, dann muss man nichts einlagern. Da werden wir noch Diskussionen bekommen, denn dann wird es schnell heißen: Wir brauchen flexiblere Arbeitszeiten.“

Fotos: Stephen Petrat.

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