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„Fährt ein Containerschiff zum ersten Mal los, ist man schon stolz auf seine Arbeit.“

„Fährt ein Containerschiff zum ersten Mal los, ist man schon stolz auf seine Arbeit.“

Michael Treinies
55 Jahre alt, Maschinen- und Anlagenmonteur, arbeitet bei MV Werften in Warnemünde.

Über seine Arbeit:
„Ein Schiff ist wie eine kleine Stadt. Es hat ein eigenes Klärwerk, einen eigenen Energielieferanten, eigene Versorgungsleitungen. Alles läuft durch Rohre, sie sind die Lebensadern des Schiffes. Ohne Rohre läuft nichts auf einer Werft, die größten haben einen Durchmesser von 4,50 Meter. Und die Rohre mache ich. Momentan bauen wir Flusskreuzfahrtschiffe. Die sind so 80 Meter lang. Aber für mich sind das Schiffchen. Ein richtiges Schiff, das fängt für mich bei 200 Metern Länge an. Da muss schon was zu sehen sein, damit es als Schiff durchgeht. Alles darunter sind ja eher so Boote. Außerdem bauen wir Konverter-Plattformen für Windparks auf hoher See. Diese Konverter, große viereckige Kästen, wandeln den Wechselstrom der Windräder in Gleichstrom um, damit auf dem Weg an Land weniger Strom verloren geht. Auf diesen Plattformen baue ich die Podeste und die Leitern – hat auch alles mit Rohren zu tun. So ein Kasten ist etwa 30 Meter hoch, das ist wie ein Hochhaus mit 10 oder 12 Stockwerken.“

Was ihn an seiner Arbeit fasziniert:
„Wenn so ein großes Ding losfährt, ein Containerschiff – das ist schon ein erhabener Moment. Dann ist man auch stolz. Außerdem: Wer hat schon einen Arbeitsplatz mit Seeblick? Im Sommer, wenn die Tore der Hallen offenstehen, kann ich auf die Hafeneinfahrt schauen, und dann sehe ich die Schiffe im Rostocker Hafen ein- und ausfahren. Herrlicher Anblick! Es ist doch faszinierend, was der Mensch so fabrizieren kann. Dass zum Beispiel so ein Windpark auf hoher See funktioniert – das ist schon beachtlich.“

Wie sich die Arbeit verändert hat:
„Im zweiten Lehrjahr habe ich hier angefangen. Ich bin gelernter DDR-Bürger, und als junger Kerl wollte ich gerne zur See fahren, wollte viele Länder sehen, nicht immer nur Polen und Tschechien. Meine Mutter hat dann gesagt: Aber zuerst lernst Du etwas Anständiges. Dann bin ich hier Schlosser geworden und habe jetzt 40 Jahre durchgehalten, durch alle Aufs und Abs. Damals, zu DDR-Zeiten haben hier fast 7000 Leute gearbeitet, es gab einen Konsum, einen Schuster, eine Poliklinik. Dann kam die Wende und Kvaerner hat die Warnow-Werft übernommen, da waren wir noch so um die 1400. Heute arbeiten hier noch 380 Leute. Ein malaysischer Investor hat die Werft übernommen, und jetzt bauen wir Kreuzfahrtschiffe für den asiatischen Markt. Außerdem machen wir ja die Konverter-Stationen für Windparks. Die Bundesregierung hat uns ja geraten, in neue Märkte einzusteigen.“

Über Gewerkschaft:
„Ich war immer in der Gewerkschaft. Früher, in der DDR, war da jeder drin. Wenn wir mal auf  125 Jahre zurückschauen, dann denke ich: Was wir heute haben, verdanken wir denen, die damals die Gewerkschaft aus der Taufe gehoben haben. Gewerkschaft heißt für mich … (überlegt): Ich gehöre dazu. Ich gehöre einfach dazu und bin dankbar.“

Fotos: Stephen Petrat.

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