52-Continental-8479

„Ohne Weiterbildung säße ich nicht hier.“

„Ohne Weiterbildung säße ich nicht hier.“

Michael Schmitt
53 Jahre alt, gelernter Formenbauer und Maschinenbautechniker, arbeitet als Messtechniker bei Continental in Babenhausen.

Über das Unternehmen und seine Arbeit:
„Viele denken ja beim Namen Continental an Reifen, aber wir stellen auch andere Komponenten für die Automobilindustrie her. Hier in Babenhausen produzieren wir Kombi-Instrumente, also Tacho, Drehzahlmesser und so weiter  – das, was man im Armaturenbrett eines Autos sieht. Ich arbeite im Feinmessraum und überprüfe die Bauteile auf Maßhaltigkeit. Dazu benutze ich verschiedene Messgeräte, zum Beispiel ein Mikroskop oder einen Computertomographen. Wir müssen sehr genau arbeiten, schon Abweichungen von einem hundertstel Millimeter können zu Qualitätsproblemen führen. Deshalb muss ich hochkonzentriert bei der Sache sein und mit großer Sorgfalt hantieren. Wir haben hier eine hohe Fertigungstiefe, das heißt, wir produzieren viele Einzelteile noch selbst. In der Druckerei und der Stanzerei machen wir die Ziffernblätter, in der Kunststoffspritzerei die Zahnräder, Gehäuse und die Deckgläser, außerdem gibt es eine Lackiererei. Diese hohe Fertigungstiefe gibt uns die Möglichkeit, mit Neuentwicklungen schneller auf dem Markt zu sein als die Konkurrenz.“

Was ihm an der Arbeit wichtig ist:
„Der Job muss Spaß machen. Klar dient er in erster Linie dem Broterwerb. Aber ohne Spaß an der Sache bist du an der falschen Stelle. Hier musst du schon ein bisschen technikverrückt sein und in Sachen Technik immer am Ball bleiben. Ich säße jedenfalls nicht hier, wenn ich mich nicht weitergebildet hätte. Dafür ist Eigeninitiative nötig, und auf der anderen Seite brauchst du einen Arbeitgeber, der dir die Möglichkeit dazu bietet. Die Entwicklung ist jedenfalls rasant, und das miterleben zu dürfen, finde ich faszinierend. Die klassische Tachonadel wird langfristig aussterben, stattdessen sind jetzt sogenannte Voll-Displays stark im Kommen. Zusätzlich fertigen wir immer mehr sogenannte Head-up-Displays. Da werden die Fahrerinformationen mit einem Spiegel auf das Innere der Windschutzscheibe projiziert, du hast also alles direkt im Blickfeld.“

Über die IG Metall:
„Ich habe noch nie erlebt, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmern gegenüber freiwillig Zugeständnisse gemacht hätte. Und es sollte sich auch herumgesprochen haben, dass einer allein nicht viel ausrichtet. Deshalb braucht es eine Gewerkschaft. Sie ist der Gegenpol zur Unternehmerschaft. Für mich ist das Wort ‚Gewinnmaximierung‘ ein rotes Tuch, wirklich, das finde ich schlimm. Natürlich weiß ich, dass hier Geld verdient werden muss, aber doch bitte zu humanen Bedingungen. Wenn es nur um den Wert von Aktien geht, bleibt das Menschliche auf der Strecke. Ich freue mich jedenfalls, dass bei uns fast alle Auszubildende in der IG Metall sind. Es ist schön zu sehen, dass die Jungen wieder bereit sind, sich zu engagieren. Dieses Engagement brauchen wir auch, damit wir unsere Errungenschaften nicht verspielen.“

Über seine Freizeit:
„In meiner Freizeit brauche ich dieselben Eigenschaften wie im Beruf: Ausdauer für den Marathonlauf und technische Verständnis für den Modellflug.“

Fotos: Stephen Petrat.

© 2018 Unsere IG Metall