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„Beim Werkschutz hat sich die Welt seit 9/11 komplett geändert.“

„Beim Werkschutz hat sich die Welt seit 9/11 komplett geändert.“

Martin Powilleit
53 Jahre alt, gelernter Elektriker, arbeitet als Leiter Werksicherheit, Arbeitsschutz und der Betriebsfeuerwehr bei Facility Service GmbH in Heilbronn.

Über seine Arbeit:
„Das hier ist ein alter Telefunken-Standort, hier wurde das Farbfernsehen erfunden. Heute ist das ein Industriepark, auf dem fünf Firmen angesiedelt sind. Eine davon ist mein Arbeitgeber, die Facility Service GmbH. Die anderen vier Unternehmen können sich auf ihre Produktion konzentrieren, und wir kümmern uns um alles Drumherum: Die Versorgung mit Strom und Wasser, den Abfall, den Brandschutz, die Arbeitssicherheit, den Werkschutz, den Umgang mit Gefahrenstoffen. Als Leiter Arbeitssicherheit, der Betriebsfeuerwehr und des Werkschutzes bin ich für Sicherheit zuständig. Hier auf dem Gelände gibt es alles, was der Herrgott verboten hat: Säuren, Laugen, Gase. Wir werden bei jeder kleinsten Baumaßnahme mit einbezogen, bei Umbauten, bei Instandsetzung. Außerdem müssen wir die Anlagen regelmäßig prüfen, zum Beispiel die Sprinkler-Anlage. Ich sage mir immer: Wenn abends 1200 Leute heil und gesund nach Hause gehen, habe ich meine Arbeit an diesem Tag gut gemacht.“

Wie sich die Arbeit geändert hat:
„Beim Brandschutz hat sich über die Zeit nicht viel verändert. Das haben wir im Griff, da kann nicht viel passieren, weil wir gute Frühwarnsysteme haben. Hier fängt allenfalls mal eine alte Kaffeemaschine an zu kokeln, die irgendjemand von zu Hause mitgebracht hat. Oder es tritt Säure aus einem undichten Schlauch, da sind wir dann gefragt. Beim Werkschutz hingegen hat sich die Welt seit 2001 komplett geändert, seit 9/11. Als Leiter des Werkschutzes muss ich über die Weltlage informiert sein. Wir haben hier auf dem Gelände einen Weltmarktführer für Solarzellen im Weltraum, außerdem eine Firma, die Nachtsichtgeräte herstellt. Ich habe deshalb auch mit dem Staatsschutz zu tun, dem Landeskriminalamt, und bekomme regelmäßig Berichte vom Verfassungsschutz. Dieser Teil meiner Arbeit ist anspruchsvoll. Ich muss vernetzt sein und das Netzwerk auch pflegen. Ich bin auch Mitglied in der ‚Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft‘. Das ist spannend. Ich bekomme mit, was zum Beispiel beim Thema Betriebsspionage läuft, welche neuen Entwicklungen es da gibt. So zum Beispiel Kopierer, die mittlerweile richtige Computer sind, über die sich jede Menge Informationen aus einem Unternehmen holen lassen.“

Über Gewerkschaft:
„Die IG Metall ist wichtig und zeitgemäß. Wo wären wir, wenn wir die nicht hätten? Ohne Gewerkschaft würde es nicht gehen, das sieht man in den Ländern, wo es keine Gewerkschaft gibt oder sie nicht frei agieren kann. Dort sind die Menschen der Willkür des Arbeitgebers ausgesetzt. Dank der Gewerkschaft kann mal als Beschäftigter Einfluss nehmen.“

Fotos: Stephen Petrat.

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