39-PandG-Maria-Fernandes-4821

„Es ist schön, wenn Dir dein Vorgesetzter vermittelt: Du machst einen guten Job.“

„Es ist schön, wenn Dir dein Vorgesetzter vermittelt: Du machst einen guten Job.“

Maria Dolores Fernandez Cosano
55 Jahre alt, arbeitet in der Produktion von Procter & Gamble in Marktheidenfeld.

Über ihre Arbeit:
„Wir produzieren hier elektrische Zahnbürsten, das sind sehr hochwertige Geräte. Ich arbeite im Reparaturzentrum. In der Produktionsanlage werden die Zahnbürsten automatisch auf Fehler getestet. Wird ein Fehler angezeigt, dann bekomme ich die Zahnbürsten zur Überprüfung. Ich nehme das Gehäuse ab, schaue nach, ob die Leiterplatte beschädigt ist, und prüfe, ob alle Funktionen gehen. Wenn ich den Fehler entdecken und beheben kann, gehen die Geräte ein zweites Mal durch die automatische Prüfung. Was ich nicht retten kann, geht nach Tschechien und wird dort repariert. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, und ich mag dieses Tüfteln. Das Herausfinden des Fehlers, gerade wenn er nicht so einfach zu finden ist – das reizt mich.“

Über ihren Werdegang:
„Was ich gelernt habe? Ich hatte richtig Angst vor dieser Frage. Das ist ein bisschen mein wunder Punkt. Angefangen habe ich eine Lehre als Hotelfachfrau, aber dann habe ich mir den Fuß verletzt und habe die Ausbildung abgebrochen. Na ja, ich war schon ein verträumtes Mädchen damals. Ich habe dann in einer Schneiderei im Akkord gearbeitet und in einer Thermometer-Fabrik, habe geheiratet und Kinder bekommen, bevor ich dann hier anfing. Damals gab es noch die sogenannte Hausfrauen-Schicht, die ging von 16.40 Uhr bis 22 Uhr. Ich fand das damals richtig cool. Ich hatte ja den ganzen Tag die Kinder, aber wenn ich dann hier war, dann konnte ich die Familie auch hinter mir lassen. Über die Jahre habe ich mir hier unheimlich viel Erfahrung angeeignet, und die brauche ich heute auch in meinem Job. Das ist wirklich wichtig, du musst dich mit den Geräten auskennen, über die Jahre hat sich auch die Technik rasant entwickelt. Deshalb muss ich heute im Rückblick sagen: Auch wenn ich keinen Beruf erlernt habe, habe ich doch das Beste draus gemacht.“

Über Wertschätzung:
„Es ist schön, wenn du das Gefühl hast: Du wirst gebraucht, du kannst helfen. Und es ist schön, wenn Dir dein Vorgesetzter vermittelt: Du machst einen guten Job. Und das tut mein Vorgesetzter.“

Über die IG Metall:
„Ich bin in der IG Metall, weil es einfach dazugehört. Meine Eltern kamen 1960 aus Spanien hier her. Dort konntest du dich damals, unter Franco, nicht gewerkschaftlich organisieren. Mein Vater hat dann hier auf dem Bau gearbeitet und war selbstverständlich in der Gewerkschaft. Er hat zu mir gesagt: Maria, schau, wenn es da in dem Betrieb eine Gewerkschaft gibt, dann musst du da eintreten. Das habe ich dann auch gemacht. Seitdem ich nun seit drei Jahren Betriebsrätin bin, habe ich einen noch tieferen Einblick bekommen, wie Gewerkschaft eigentlich funktioniert. Und ich muss sagen: Die IG Metall macht einfach eine gute Arbeit. Für mich ist die IG Metall wie eine Firewall – eine Schutzwand, damit der Arbeitgeber nicht alles mit dir machen kann, was er will.“

Was ihr beim Thema Arbeitszeit wichtig ist:
„Wir haben hier gerade sehr, sehr viel Arbeit und schaffen deshalb auch an den Wochenenden. Der Arbeitgeber sagt nun mal: Die Maschinen müssen ausgelastet sein. Das ist ja einerseits gut. Aber für die Kolleginnen und Kollegen ist das eine Belastung. Die Familie leidet schon darunter.“

Fotos: Stephen Petrat.

© 2018 Unsere IG Metall