Lisa Wißing

„Wichtig ist, dass man einen Sinn für das Große und Ganze entwickelt.“

„Gewerkschaft bedeutet für mich: zusammen Probleme lösen.“

Lisa Wißing
26 Jahre alt, Patenanwaltsfachangestellte bei ABB in Ladenburg

Über ihre Arbeit
„Ich arbeite in der zentralen Patentabteilung der deutschen ABB. Hier wird ein großer Teil aller Patente des Unternehmens verwaltet. Meine Aufgabe ist es, mit dem Patentanwalt zusammenzuarbeiten. Ich muss zum Beispiel dafür sorgen, dass Fristen eingehalten werden oder dass Gebühren bei den Patentämtern pünktlich gezahlt werden. Das ganze Zeitmanagement ist meine Aufgabe. Wichtig ist, dass man einen Sinn für das Große und Ganze entwickelt. Ich muss nicht jede Akte auswendig kennen, aber ich muss einen Überblick darüber behalten, was in der Abteilung los ist.“

Was ihr an der Arbeit gefällt
Ich wollte Polizistin werden, und ein duales Studium wäre auch etwas für mich gewesen. Dann bin ich über diese Ausbildungsstelle gestolpert, und dachte: Was ist denn das? Patentanwaltsfachangestellte ist ein seltener Beruf, davon gibt es nicht so viele, und das hat mich gereizt. Ich war neugierig, das bin ich immer, und habe mich für diese Ausbildung entschieden. Ich liebe es, Sachen zu ordnen, auch wenn ich zu Hause eine Chaotin bin. Etwas zu organisieren, Abläufe zu optimieren – das liegt mir. Außerdem habe ich hier geregelte Arbeitszeiten und ein gutes Einkommen. Als Polizistin verdient man leider weniger und hat häufig eine höhere Belastung.

Über ihren Werdegang
Ich bin die erste in unserer Familie gewesen, die Abitur gemacht hat. Ich wollte das immer, ich wollte immer lernen. Schon im Kindergarten habe ich gefragt: Was ist die beste Schule? Das hat sicher mit meiner Familiensituation zu tun: Meine Eltern waren auf der Hauptschule, und ich wollte zeigen, dass unsere Familie mehr kann. Ich bin in bescheidenen Verhältnissen groß geworden, aber aufgeben – das gab es bei uns nicht. Ich habe meine Mutter auch nie weinen sehen, die hat immer gesagt: Heute ist es gerade schlecht – aber morgen sieht die Welt ganz anders aus. Das hat mich geprägt. Stillstand geht nicht. Ich möchte mich auch noch weiterentwickeln. Momentan lerne ich nicht, das macht mich ein bisschen unzufrieden. Es gibt da ein einjähriges Studium zur Patentreferentin, das würde mich reizen. Ein Vollzeitstudium kommt für mich aus finanziellen Gründen nicht in Frage.

Über Gewerkschaft
Gewerkschaft bedeutet für mich: zusammen Probleme lösen. Als Gruppe können wir auf größere Ressourcen zurückgreifen. Wir können Fähigkeiten einsetzen und Potenziale nutzen, die der Einzelne alleine nicht hat. Das klappte bei uns in der Jugendvertretung auch super. Der eine beherrscht Powerpoint, der andere kann gut organisieren – im Ergebnis haben wir eine tolle Informationsveranstaltung auf die Beine gestellt. Ich denke: Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Deshalb bin ich auch in die Gewerkschaft eingetreten. Ich habe mir gedacht: Wenn schon so viel für mich gekämpft wird, dann will ich das auch unterstützen. Dann will ich auch etwas geben.

Über Arbeitszeit
Ich darf mir hier meine Zeit selbst einteilen und kann weitestgehend kommen und gehen, wann ich will. Diese Flexibilität passt zu meinem Leben, denn nebenher bin ich beim Deutschen Roten Kreuz als Bereitschaftsleiterin und Rettungssanitäterin unterwegs.

Fotos: Stephen Petrat.

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