55-VEO-Kraftwerk-Kevin-9105

„Jede Entscheidung, die ich treffe, hat unmittelbare Konsequenzen.“

„Jede Entscheidung, die ich treffe, hat unmittelbare Konsequenzen.“

Kevin Wählte
26 Jahre alt, gelernter Industriemechaniker, arbeitet als Kraftwerker bei VEO in Eisenhüttenstadt.

Über seine Arbeit:
„Wir produzieren in unserem Heizkraftwerk Strom und Fernwärme aus Erd- und Hüttengas. Das Hüttengas kommt aus dem benachbarten Stahlwerk von ArcelorMittal, es ist ein Abfallprodukt aus der Roheisen- und Stahlerzeugung. Vereinfacht erklärt funktioniert das so: Durch die Verbrennung von Hüttengas erhitzen wir Wasser zu Heißdampf, dieser treibt eine Dampfturbine an, und der Generator wandelt mechanische Energie in elektrische Energie, also in Strom, um. So versorgen wir wiederum das Hüttenwerk, die umliegenden Gewerbegebiete und die Stadt Eisenhüttenstadt mit Elektrizität. Als Kraftwerker bediene und überwache ich unsere Kraftwerksanlagen. Der körperliche Aspekt der Arbeit ist eher klein, ich sitze meist in der Zentralen Warte und schaue auf jede Menge Bildschirme. Der ganze Prozess ist nicht ohne, man muss ihn schon verstehen. Denn jede Entscheidung, die ich treffe, hat unmittelbare Konsequenzen. Da musst du wissen, was du tust. Wir haben ja Lieferverträge zu erfüllen, müssen Strom und Wärme liefern und das Kraftwerk am Laufen halten.“

Was ihm an der Arbeit gefällt:
„Das macht hier definitiv Spaß. Die Technik gibt viel her und entwickelt sich immer weiter. Ich bin mit Computern groß geworden, da tun sich Ältere mit dem Wandel sicherlich schwerer. Spaß bringt aber nicht nur die Arbeit an sich, sondern auch das Kollektiv. Wir haben sehr gute Teams in den Schichten und unternehmen auch privat viel zusammen. Wie wir hier miteinander umgehen, das ist alles sehr, sehr kollegial. Die Vorgesetzten haben immer ein offenes Ohr. Da kenne ich ganz andere Geschichten aus Betrieben, wo sich die Leute im ständigen Konflikt mit ihren Vorgesetzten befinden.“

Über das Schöne an seinem Arbeitsplatz:
„Viele sagen: Industrie ist laut, Industrie ist dreckig. Aber ich finde: Industrie ist auch schön. In einem Kraftwerk zu arbeiten, das mehr als 60 Jahre alt ist – das hat was. Der alte Backstein, die großen Hallen, die Anlagen… Als ich anfing, sah ich nur Rohrleitungen und verstand gar nichts. Mittlerweile ist das anders, ich bin ja auch schon zehn Jahre hier. Das ist ein langer Anlernprozess, und du profitierst von den Erfahrungen der anderen, die schon 40 Jahre hier sind.“

Über Arbeitszeit und Schichten:
„Wenn du Schicht arbeitest, ändert sich dein Freundeskreis automatisch und du unternimmst viel mit anderen Schichtarbeitern. Wir haben ja nur jedes vierte Wochenende regulär frei. Dafür hat man meinetwegen den Mittwoch frei – dann ist hier in der Region aber nicht viel los. Also trifft man sich mit den Kollegen und spielt schon mal bis vier Uhr nachts Poker. Wenn man sich für Schichtarbeit entschieden hat, muss man damit leben. Und es gibt ja auch Vorteile. Man darf nicht vergessen: Dank Tarifvertrag, werden wir fair entlohnt.“

Über die IG Metall:
„Gewerkschaft sorgt dafür, dass kleine Leute mit leiser Stimme gemeinsam etwas erreichen können, weil sie eine starke Gemeinschaft hinter sich haben. Deshalb opfere ich auch viel Zeit für meine gewerkschaftliche Tätigkeit. In meiner Ausbildung war ich Jugendvertreter. Da habe ich die IG Metall kennengelernt, und von da an war klar: Ich will da mehr machen. Jetzt bin ich Betriebsrat. Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn die Kollegen dich schon als jungen Menschen wahrnehmen, dir vertrauen und dich zum Betriebsrat wählen.“

Fotos: Stephen Petrat.

© 2018 Unsere IG Metall