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„Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann.“

„Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann.“

Josef Pfundmeir
62 Jahre alt, arbeitet als Service-Techniker bei Renk in Augsburg, gelernter Elektromechaniker

Über seine Arbeit
Ich halte die Elektronik von Schiffsgetrieben auf großen Schiffen instand, zum Beispiel auf Öltankern. Dazu muss ich die Elektronik prüfen und testen, und das muss unter Volllast passieren. Deshalb fahre ich mit den Schiffen mit. Ich fliege also zum Beispiel nach Sri Lanka, besteige da das Schiff und steige eine Woche später in einem Hafen in Indien wieder aus. Ich arbeite dann im Maschinenraum und da sind es 40 bis 55 Grad, da kannst du drei bis vier Mal am Tag die Wäsche wechseln. Durch meine Arbeit habe ich die Welt gesehen. Im Jahr bin ich zwischen 120 und 180 Tagen unterwegs.

Über seine Arbeit rund um den Globus
Ich habe in meinem Berufsleben 119 Länder bereist und habe so ziemlich alle Häfen der Welt gesehen. In Asien war ich schon überall außer in Nordkorea. Wenn du so in der Welt herumkommst, dann weißt du, wie gut es uns geht. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie korrupt die Welt ist. In Ägypten zum Beispiel kommst du unter 500 Euro Schmiergeld mit deinem Werkzeug nicht durch die Grenzkontrolle. Und der Suez-Kanal heißt auch Marlboro-Kanal, weil du da immer sechs bis sieben Stangen Zigaretten loswirst. Du brauchst schon ein bisschen Abenteuerlust in dem Job. Ich habe auch schon einen Piratenüberfall auf einem Schiff miterlebt. Zwei Stunden lang wurde geschossen, von den Piraten lebte am Ende keiner mehr. Ich hatte auch schon ein Messer am Hals, und in Karatchi wurde ich am Hafen von einem gepanzerten Jeep abgeholt. In dem Beruf erlebt man viel, und du lernst mit Menschen umzugehen. Auf dem Schiff kann die Zeit dann schon lang werden. Da lernt man, sich selbst zu beschäftigen. Ich habe dann immer meinen Laptop dabei mit meiner eigenen Musik drauf. Ich komme gut mit mir selbst zurecht.

Was ihm an der Arbeit gefällt
Den Job, den ich habe, würde ich nicht hergeben. Mir macht er Spaß, und solange ich das hier noch machen kann, mache ich es. Ich trage Verantwortung und bin beliebt bei den Kunden. Die wissen genau: Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann. Und wenn ich denen sage: Das und das muss gemacht werden, dann vertrauen die mir. Wenn wir Kinder bekommen hätten, dann hätte ich mir dieses Zigeunerleben vielleicht nicht ausgesucht. Aber das mit den Kindern hat bei uns nicht geklappt. Meine Frau hätte mich natürlich gerne öfter zu Hause, aber sie weiß, dass ich den Job gerne mache. Wenn du so oft fort bist von zu Hause, dann ist absolutes Vertrauen in den Partner das allerwichtigste, ohne das geht es nicht.

Über Gewerkschaft
Das ist etwas ganz Wichtiges, so eine Gewerkschaft. Wenn wir keine Gewerkschaft hätten, sähen wir Arbeitnehmer alt aus. Dann würden die Arbeitgeber mit uns Schlitten fahren, ist doch klar. Damals, als das Unternehmen hier insolvent war, hat die IG Metall uns gerettet; ohne die hätten wir heute keinen Arbeitsplatz mehr hier.

Fotos: Stephen Petrat.

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