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„Ein unbefristeter Festvertrag – das wäre das Wichtigste für mich.“

„Ein unbefristeter Festvertrag – das wäre das Wichtigste für mich.“

Jörg Schrader
57 Jahre alt, gelernter Kfz-Mechaniker, Bürokaufmann und Fachkraft für Materialwirtschaft & Logistik, arbeitet als Qualitätskontrolleur bei Rheinmetall Military Vehicles in Kassel.

Über seine Arbeit:
„Wir bauen hier den Fuchs-Panzer, und ich bin im Lager für die Qualitätskontrolle im Wareneingang zuständig. Ich kontrolliere Teile, die später nach Algerien verschickt werden. Die Algerier bauen die Teile dann selbst zu einem Panzer zusammen. Solche Deals sind üblich, die Länder, die den Fuchs kaufen, wollen oft, dass ein Teil der Wertschöpfung bei ihnen vor Ort stattfindet. Leider bekommen wir auch Beschwerden aus Algerien. Um auf diese Beschwerden reagieren zu können und uns dem Kunden gegenüber abzusichern, haben wir ein neues Prüfgerät angeschafft, das alle Teile exakt vermisst. Dieses Gerät bediene ich.“

Über Leiharbeit und seinen größten Wunsch:
„Bevor ich hierher kam, war ich als Leiharbeiter bei einem Solartechnik-Hersteller beschäftigt. Das war jene Zeit, als die Leiharbeitsbuden richtig boomten, man kam nirgendwo mehr rein, außer über Leiharbeit. Dort hatte ich dann 18 Arbeitsverträge in vier Jahren. Man wusste immer nicht, wie geht das weiter? Bekomme ich noch einen Vertrag oder nicht? Oft ging das sehr, sehr kurzfristig. Als es dem Laden dann schlecht ging, musste ich gehen. Für mich war das ganz, ganz schlimm. Ich bin ins Bodenlose gefallen. Ich hatte dort doch so viel gemacht. Ich war für die Aus- und Weiterbildung der Festangestellten und Azubis verantwortlich. Und das, wie gesagt, als Leiharbeiter. Dann kam ich hier zu Rheinmetall, zunächst auch als Leiharbeiter. Dadurch, dass ich mich im Betrieb weitergebildet habe, mich in verschiedenen Bereichen arrangiere und mich mit diesem neuen Prüfgerät auskenne, hat der Arbeitgeber irgendwann gesagt: Den stellen wir fest ein. Da hat mich auch der Betriebsrat hier unterstützt. Meinen Arbeitsvertrag bekam ich dann pünktlich zur Weihnachtsfeier. Das war alles sehr aufregend. Mein Vertrag ist jetzt erst mal auf ein Jahr befristet. Ich wünsche mir jetzt nur noch eines: einen unbefristeten Festvertrag. Das wäre für mich das Wichtigste.“

Über die Arbeit für ein Rüstungsunternehmen:
„Wenn man hier anfängt, wird man gefragt, ob man Probleme damit hat, für ein Rüstungsunternehmen zu arbeiten. Habe ich nicht. Ich war selbst Zeitsoldat bei der Bundeswehr, in einer Instandsetzungskompanie und dann in einem Panzerbataillon, und bin die Dinger selbst gefahren, da kann ich ja nun schlecht Probleme damit haben, sie zu bauen. Ich erlebe auch keine Anfeindungen im Freundeskreis. Das ist da kein Thema. Letztlich bauen wir hier auch keine Waffensysteme. Das sind ja oft auch ABC-Panzer oder Sanitätsfahrzeuge, die zum Schutz da sind.“

Über Gewerkschaft:
„Mir ist wichtig, dass das Unternehmen, in dem ich arbeite, eine Gewerkschaft im Haus hat. Damit man Unterstützung hat, wenn mal was ist. Ich habe hier auch schon mitgestreikt, obwohl ich Leiharbeiter war.“

Fotos: Stephen Petrat.

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