Portraits 125 Jahre IG Metall Mitglieder geben der Organisation ein Gesicht

„Wenn die Gewerkschaft ruft, sollte man schon zuhören.“

„Wenn die Gewerkschaft ruft, sollte man schon zuhören.“

Hugo Wollny
59 Jahre alt, Maschinenbauer, arbeitet bei Eckel & Sohn in Gau-Odernheim

Über seine Arbeit:
„Wir stellen Maschinen für die kunststoffverarbeitende Industrie her, insbesondere Maschinen, mit denen man die Verschlüsse von Getränkeflaschen produziert. Also zum Beispiel für solche Squeeze-Flaschen aus Plastik, wo man draufdrücken kann, und die Flüssigkeit kommt raus. Die Maschine sortiert die Teile, so dass die offene Seite des Verschlusses nach oben weist. Dann wird da ein roter Garantiering eingestanzt. Der ist dazu da, dass man sieht, ob die Flasche auch tatsächlich noch nicht angebrochen ist. Dann kommt das Mundstück dazu und schließlich noch eine Gummimembran. Die Maschinen gehen in alle Welt, nach Frankreich, Neuseeland, Amerika, Kanada, Peru, Australien, Singapur. In Israel steht eine, die macht 120.000 Verschlüsse in der Stunde. Wenn du das Ding laufen siehst – das ist der Hammer. Das geht in einem Affentempo. Ja, wir sind schon ziemlich gut hier.“

Was ihm an seiner Arbeit gefällt:
„Wir machen alles, vom Rohmaterial bis zur Endmontage entsteht hier die komplette Maschine. Ich baue heute vielleicht mal einen Maschinenkasten und morgen vielleicht ein Förderband. Das gefällt mir, dieses Vielfältige, es gibt immer etwas Neues. Und das mache ich, wenn’s möglich ist, bis zur Rente. Ich mag den Laden. Ich wohne vier Kilometer entfernt und fahre jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit.“

Warum Betriebsrat und Gewerkschaft wichtig sind:
„Ich sage den jungen Kolleginnen und Kollegen immer: Wenn die Gewerkschaft ruft, sollte man schon zuhören. Nimm mal das Beispiel Geld: Jetzt bekommen wir nach dem Tarifabschluss 2,8 Prozent mehr – ohne Gewerkschaft könnte jeder Einzelne selbst die Fußmatte vor dem Chefbüro abtreten und nach mehr Geld fragen. Da kannst du dann schauen, wo das endet. Die Firma ist in der fünften Generation in Familienbesitz. Ich habe noch den Großvater des jetzigen Chefs erlebt. Wir sind hier 80 Leute, da kennt jeder jeden. Da kann man als Betriebsrat nicht so harte Bandagen anlegen wie meinetwegen in einem Großbetrieb. Aber natürlich ist auch ein Kuschelkurs nicht wirklich angesagt. Ich sitze selbst im fünfköpfigen Betriebsrat, war auch mal Vorsitzender, und ich habe gelernt: Manchmal kann man Kompromisse machen. Und dann gibt’s Fälle, da muss man richtig Gas geben. Als es einmal richtig Ärger gab und ich sogar gekündigt werden sollte, da hatte ich eine bärenstarke Gewerkschaft im Rücken, die für mich gekämpft hat. Dafür bin ich heute noch dankbar. Zum Glück ist das lange her, und wir haben heute wieder ein gutes Verhältnis zur Geschäftsführung. Wir werden hier als Betriebsrat akzeptiert.“

Fotos: Stephen Petrat.

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