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„Durch meine Schichtarbeit habe ich lange Freischichten – das kommt mir entgegen.“

„Durch meine Schichtarbeit habe ich lange Freischichten – das kommt mir entgegen.“

Heiko Weißer
45 Jahre alt, gelernter Maschinenschlosser, arbeitet als Gießer bei KS Huayu AluTech in Neckarsulm.

Über seine Arbeit:
„Ich gieße Motorblöcke. Jetzt gerade welche für den Bentley. Das sind die teuersten Motorblöcke überhaupt. Ich stehe an der Gussmaschine. Das flüssige Aluminium wird per Niederdruck von unten in die Gussform gefüllt. Dann muss das Aluminium 610 Sekunden kühlen, das geschieht mit Wasser und Luft. Danach hebe ich den Block raus. Ich muss schauen, dass die Werte stimmen, dass die Qualität stimmt. Ist alles da, ist die gesamte Kokille befüllt worden? Gibt es Risse oder Kaltläufer? Ist Metall an der Form oder am Werkzeug haften geblieben? Qualitätssicherung also. Du willst den Motorblock ja verkaufen, und letztlich ist das dann ja auch mein Geld.“

Was ihm an der Arbeit gefällt:
„Hier drin sind es immer so um die 30 bis 32 Grad. Im Winter ist das sehr angenehm. Aber im Sommer ist es die Hölle. Es ist warm, es ist dreckig, es geht aufs Kreuz – man kann definitiv nicht davon reden, dass diese Arbeit Spaß macht. Ich find es trotzdem spitze hier drin. Wir sind ein Team, die Meister sind zuvorkommend, wir schauen alle, dass wir unsere Prämie schaffen. Es ist sehr familiär. Wir wechseln auch die Arbeitsplätze, man steht immer wieder mal an einer anderen Maschine, macht ein anderes Produkt. Außerdem bin ich stolz, dass ich diesen Verfahren hier an der Maschine für die Bentley-Motorblöcke beherrsche. Da gibt es nicht mehr viele, die das können. Außerdem: An einem Porsche oder einem Bentley mitzubauen – das ist schon was. Leisten kann ich mir diese Autos trotzdem nicht (lacht).

Über Arbeit und Leben:
„Ich pendele in meine Heimat, nach Naumburg in Sachsen-Anhalt. Das sind 360 Kilometer. Da wohnt auch meine Familie. Durch meine Schichtarbeit habe ich lange Freischichten, das kommt mir entgegen. Wenn das Wetter es zulässt, setze ich mich direkt nach der letzten Nachtschicht auf meine 1200er Honda und fahre heim. Dann kann ich schon mal eine Woche am Stück zu Hause bleiben. In meiner Freizeit trainiere ich Kinder in Judo. Da unterstütze ich meine Frau, die ist auch Judolehrerin.

Über die IG Metall:
„Angefangen habe ich hier als Leiharbeiter. Nach einem Jahr haben wir Rabatz geschlagen, und dann hat man uns übernommen. Ich bin von der Vertragsunterzeichnung direkt ins Betriebsratsbüro gegangen und habe die Eintrittserklärung in die IG Metall unterschrieben. Ich dachte über die IG Metall: Ihr seid da. Man kann zu euch gehen. Das Geld stimmt. Man kriegt einen Anwalt, wenn es hart auf hart kommt. Heute bin ich Vertrauensmann der IG Metall. Da hast du viel mit den Leuten zu tun. Du erfährst, was so läuft in den Abteilungen, wie die Auftragslage ist.“

Fotos: Stephen Petrat.

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