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„Nach dem ICE-Unglück von Eschede hat man angefangen, etliche Bauteile noch genauer zu untersuchen.“

„Nach dem ICE-Unglück von Eschede hat man angefangen, etliche Bauteile noch genauer zu untersuchen.“

Gerd Schlegel
46 Jahre alt, gelernter Industriemechaniker mit Fachrichtung Betriebstechnik, arbeitet als Service-Techniker bei Actemium in Nürnberg.

Über seine Arbeit:
„Wir fertigen unter anderem Anlagen, mit denen man Bahn-Radachsen automatisiert auf betriebsbedingte Beschädigungen überprüfen kann. Dies funktioniert mit Ultraschall. Zu meinen Aufgaben als Service-Techniker zählt unter anderem die Wartung, aber auch Service bei Störungen an den Anlagen. Ich reise von einem Instandhaltungs- oder ICE-Werk zum nächsten, meist sind es Werke der Deutschen Bahn. Aber auch Bahnwerke im Ausland sind mit dabei. Mal bin ich in Nürnberg, mal in Berlin, dann in Wittenberge oder auch mal in der Schweiz oder in Russland. Normalerweise bin ich rund eine Woche vor Ort im Einsatz. Dabei kontrolliere ich die mechanischen und elektrischen Anlagenteile, überprüfe das Ultraschallsystem, tausche Verschleißteile aus. Natürlich prüfe ich auch das korrekte Zusammenspiel aller Komponenten sowie die Gesamtfunktion der Anlage. Ultraschall wird ja so halb im Spaß auch als schwarze Magie bezeichnet. Das kommt daher, weil man manchmal auf den ersten Blick nicht erkennt, warum die Anlage zum Beispiel in der Achse eine Beschädigung anzeigt, die gar nicht da ist. Oder es werden vorhandene Justierfehler nicht mehr gefunden. Da wird es dann knifflig, und genau das finde ich spannend. Wenn man sich ein Problem zunächst nicht erklären kann und nachforschen muss: Was ist da genau los? Wie kann ich das Problem lösen? Das ist eine Herausforderung und die Arbeit wird nicht langweilig.“

Über das Unterwegssein:
„Ich bin schon immer viel unterwegs gewesen, meine Frau würde sagen: zu viel. Früher war unser Standbein die Kernkraftwerktechnik. Da war ich wochenlang in Atomkraftwerken unterwegs. Wir haben die Reaktoren mit Ultraschall auf Anzeichen für Rissbildung untersucht, die Schweißnähte der Rohrleitungen zum Beispiel. Damals habe ich auch noch einen Reaktor vom Tschernobyl-Typus gesehen, das war in Vilnius. Da ist einem schon manchmal bange geworden. Zwischen deutschen und russischen Reaktoren liegen Welten. Ich habe viel gesehen, gerade im Sommer geht das gut, wenn es länger hell bleibt. Da kann man sich abends ein bisschen Zeit nehmen, um die Städte zu erkunden, und das sollte man auch tun. In Moskau war ich am Roten Platz, in Sotschi bei den Anlagen der Olympischen Winterspiele und der Formel 1. Heute macht die Kernkraft nur noch einen kleinen Teil unseres Umsatzes aus, dafür ist das Bahn-Geschäft enorm gewachsen. Das fing 1998 an, damals gab es das schwere ICE-Unglück von Eschede, wo ein gerissener Radreifen eine Katastrophe angerichtet hat. Danach hat man dann angefangen, etliche Bauteile noch genauer zu untersuchen. Daraus entwickelten sich unter anderem die automatischen Ultraschall-Prüfeinrichtungen für die Radachse, und wir gehören zu denjenigen, die diese Technik damals maßgeblich entwickelt haben.“

Über die IG Metall:
„Ich sehe das so: Was will das Unternehmen? An erster Stelle Profit machen. Also muss man die Kosten niedrig halten. Wie geht das am besten? Über die Löhne. An der Stelle kommt die Gewerkschaft ins Spiel und sagt: Nein. Und das ist richtig so, denn sonst würden ja steigende Lebenshaltungskosten die Löhne auffressen. Deshalb ist die IG Metall wichtig. Ich kenne das von meiner Frau, die arbeitet im sozialen Bereich und musste jetzt eine Lohnkürzung hinnehmen. Einfach, weil es in ihrem Unternehmen keine gewerkschaftliche Anbindung gibt.“

Fotos: Stephen Petrat.

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