19-Zollern-4114

„Das Betriebsverfassungsgesetz ist eines der wichtigsten Gesetzbücher Deutschlands.“

„Das Betriebsverfassungsgesetz ist eines der wichtigsten Gesetzbücher Deutschlands.“

Fredi Klotz
58 Jahre alt, gelernter Metzger, arbeitet als Metallfacharbeiter bei Zollern in Sigmaringendorf.

Über seine Arbeit:
„Ich arbeite in der Gießerei. Wir machen hier alles, was mit Wasserkraft zu tun hat. Schiffsschrauben, Turbinenschrauben oder auch Wasser-Laufräder – da läuft an einem Stausee das Wasser hinein und treibt einen Generator an. Ich arbeite als Putzer. Bei mir kommt zum Beispiel die gegossene Turbine an. Ich muss sie dann vom Zunder befreien, den schleife ich herunter. Der Zunder ist beim Glühen des Gussteils entstanden. Das ist am Anfang die härteste Arbeit und kostet viel Energie. Und schmutzig ist es auch – manchmal sehen wir aus wie die Kaminfeger. Später setze ich Schablonen an. Damit messe ich, ob die Toleranzen stimmen. Wo die Schablonen nicht passen, muss ich von Hand nachschleifen. Da braucht man mehrjährige Erfahrung und Geduld. Ja, die Arbeit ist anstrengend, aber sie ist auch abwechslungsreich und interessant. Weil: Durch meine Hand und mein Auge entsteht das Produkt – fertig zum Einbau. Und man wird gut bezahlt, das muss ich sagen.“

Über seinen Werdegang:
„Was ich hier mache, habe ich mir alles selbst angeeignet. Ich habe Metzger gelernt und dann hier angefangen. Heute kann ich alles, was dazu gehört, Zeichnungen lesen und so weiter. Als ERA eingeführt wurde (Entgelt-Rahmen-Abkommen der IG Metall mit den Arbeitgebern), hieß es: Ich verrichte die Tätigkeit eines Metallfacharbeiters mit dreijähriger Lehre. So habe ich es vom gelernten Metzger zum gelernten Metallfacharbeiter geschafft.“

Über sein Leben:
„Ich habe fünf Kinder und drei Enkel und bin ein tierverrückter Mensch. Ich habe einen Hund und reite gern. Bis vor einem Jahr hatte ich noch einen Reitstall mit 15 Pferden. Meine große Leidenschaft ist das Motorradfahren. Außerdem bin ich Fan vom FC Bayern. Ich bin ein lustiger Mensch und mag es nicht, wenn Menschen diskriminiert werden.“

Über Gewerkschaft und Mitbestimmung:
„Ich bin seit 34 Jahren hier und seitdem auch Mitglied der IG Metall. Das Betriebsverfassungsgesetz ist eines der wichtigsten Gesetzbücher Deutschlands. Das müssen wir beschützen und bewahren, und wir dürfen es uns nicht nehmen lassen. Und das können wir nur, wenn wir viele Mitglieder haben. Ich sitze seit 2010 im Betriebsrat. Dass meine Kollegen mich als einfachen Arbeiter gewählt haben – das bedeutet mir viel. Es gibt noch etwas, auf das ich stolz bin: Dass ich für Seine Hoheit arbeite. Fürst Karl-Friedrich von Sigmaringen, das ist mein Arbeitgeber. In 34 Jahren ist nicht einmal der Lohn nicht gezahlt worden. Zum 25-jährigen Betriebsjubiläum wird man oben auf das Schloss eingeladen. Das war herrlich. Ich stehe halt auf dieses Herrschaftliche, den Glanz. Von der IG Metall bekommt man zum 25-Jährigen ja auch eine Ehrennadel. Beides gehört zum Leben dazu – Gewerkschaft und Arbeitgeber.“

Fotos: Stephen Petrat.

© 2018 Unsere IG Metall