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„Bei der Digitalisierung muss man fragen: Was erleichtert uns die Arbeit – und was nimmt sie uns weg?“

„Bei der Digitalisierung muss man fragen: Was erleichtert uns die Arbeit – und was nimmt sie uns weg?“

Dorothea Eickelmann
55 Jahre alt, gelernte Verkäuferin, arbeitet als Packerin bei Jos. Sauerwald in Bestwig.

Über ihre Arbeit:
„Wir stellen hochwertige Kunststoffverpackungen für Medienprodukte her, also diese Blister, in denen zum Beispiel USB-Sticks verpackt sind oder Spielekonsolen. Als Packerin nehme ich die fertig gestanzten Verpackungen aus der Maschine und packe sie in Kartons. Am Tag packe ich so zwischen 50 und 100 Kartons, je nach Produkt. Früher war die Arbeit monotoner, da stand man immer nur an einer Maschine, mittlerweile betreut eine Frau auch mehrere Maschinen, und wir haben viele verschiedene Produkte, das macht es abwechslungsreicher. Wir Frauen machen dann hier auch die Endkontrolle.“

Was ihr gefällt:
„Wir sind ein kleines Unternehmen, wir duzen uns alle, kennen uns gut und können auch miteinander lachen. Viele von uns sind schon seit 20 Jahren da. Das ist alles sehr, sehr persönlich hier. Zusammen sind wir hier alt geworden. Das ist das Schöne.“

Über die Arbeit der Zukunft:
„Klar, wir haben hier auch Roboter, die verrichten für uns die Arbeit. Es gibt Arbeitsschritte, die sind so nervig, da ist es gut, wenn der Roboter das macht. Für mich als Arbeiterin ist die Digitalisierung aber natürlich auch beängstigend. Ich denke, es wird darauf ankommen, dafür zu sorgen, dass die Menschen im Arbeitsprozess bleiben. Man muss da ein gesundes Verhältnis schaffen: Was erleichtert uns die Arbeit – und was nimmt sie uns weg? Ich finde eine Steuer auf Roboter keine schlechte Idee. Man darf die Unternehmen jedenfalls nicht aus ihrer sozialen Verantwortung lassen.“

Über Gewerkschaft:
„Ich bin Gewerkschafterin seit Anfang an. Und ich bin ein politischer Mensch. Man muss sich engagieren, finde ich, gerade sozialpolitisch. Ich mache mir Sorgen um die Schere zwischen Arm und Reich, da geht in Deutschland gerade etwas schwer auseinander. Deshalb sind Tarifverträge wirklich wichtig. Wie sähe es denn in unserem Land aus, wenn es sie nicht gäbe? Was wäre dann? Ich mag mir das gar nicht vorstellen. Wir fühlen uns jedenfalls bei der IG Metall gut aufgehoben.“

Was ihr beim Thema Arbeitszeit wichtig ist:
„Frauen müssten durch flexible Arbeitszeiten viel stärker entlastet werden. Ich kenne das von meiner Tochter, die ist alleinerziehend. Da kommst du nicht weit mit den zwölf Tagen von der Krankenkasse, die du bezahlt bekommst, wenn das Kind krank ist. Ich denke, man sollte mehr von zu Hause arbeiten können. Vielleicht passiert das ja in der nächsten Generation. Auch für Ältere könnte noch einiges passieren. Bei uns gibt es zum Beispiel keine Altersteilzeit, weil der Chef sagt: Das ist zu teuer. Gerade für kleinere Unternehmen brauchen wir da noch Lösungen. Und da kann Gewerkschaft noch einiges mitgestalten.“

Fotos: Stephen Petrat.

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