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„Irgendwann wurde mir klar: Von allein läuft nichts.“

„Irgendwann wurde mir klar: Von allein läuft nichts.“

Conchi Naranjo
50 Jahre alt, gelernter Schreinerin, arbeitet in der Optikmontage von Richard Wolf in Knittlingen.

Über ihre Arbeit:
„Wir machen Endoskope. Also Geräte, mit denen Ärzte in den menschlichen Körper schauen. Ich arbeite in der Optikmontage. Meine Aufgabe ist es, die Linsen in die Geräte einzusetzen. Dazu braucht man Fingerfertigkeit, das sind alles sehr kleine Teile. So ein Bildleiter hier, der ist kaum dicker als ein Haar. Unsere kleinesten Linsen sind 0,4 Millimeter groß. Ich setze die Linsen ein und dann säubere ich sie mit Aceton und Watte. Das muss alles ganz sauber sein, da darf nicht das kleinste Teilchen auf der Linse bleiben. Jeder Punkt auf so einer Linse wirkt so groß wie ein Elefant, wenn man durchschaut. Ich arbeite deshalb auch viel mit dem Mikroskop.“

Was ihr an der Arbeit gefällt:
„Ich mag dieses genaue Arbeiten, das liegt mir. Viele hier sind gelernte Goldschmiede oder Optiker. Ich habe Schreinerin gelernt. Früher habe ich die Holzkisten für die Endoskopie-Geräte geschreinert, in einer anderen Firma. Die ist dann pleite gegangen, und dann hieß es: Mädel, du bist so geschickt, komm doch zu uns (lacht). Ich bin glücklich mit der Arbeit hier. Die Kollegen sind in Ordnung. Wir unternehmen auch privat viel, machen Ausflüge oder gehen in den Biergarten. Früher war ich in einer anderen Abteilung, in der Reparatur. Ich fände es gut, wenn es normal wird, dass man in mehreren Abteilungen einer Firma arbeitet. Das fördert das Verständnis füreinander. Es heißt ja schnell: Mensch, was machen die da drüben für einen Mist? Wenn man dann mal selber in der anderen Abteilung ist, merkt man: Huch, alles gar nicht so einfach. Wenn man nur meckert – das mag ich nicht.“

Über die IG Metall:
„In der Gewerkschaft bin ich seit acht Jahren. Damals hatte eine Kollegin Probleme, weil sie ihre Arbeitszeit um eine Stunde ändern wollte. Die bekam dann plötzlich einen neuen Arbeitsvertrag angeboten mit ganz anderen Konditionen. Wir haben das alles nicht verstanden, da stand dann so Zeug wie „…laut Paragraph…“. Da habe ich gemerkt: Die Geschäftsführung hat ihre eigenen Interessen. Das hat mich so aufgeregt, da bin ich in die IG Metall eingetreten. Wenn jemand 25 Jahre da ist und dann so behandelt wird. Und mir ist bewusst geworden: Von allein läuft nichts.“

Fotos: Stephen Petrat.

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