40-Schaeffler-Christian-5053

„Man spürt das Vibrieren der Schläge in der ganzen Halle.“

„Man spürt das Vibrieren der Schläge in der ganzen Halle.“

Christian Oeser
32 Jahre alt, Teamleiter in der Schmiede bei Schaeffler Technologies in Schweinfurt.

Über die Arbeit:
„Wir schmieden Ringe für Wälzlager. Hier in der Schmiede arbeitet ein besonderer Schlag Mensch. Ich sage immer: Man muss nicht verrückt sein, um hier zu arbeiten – aber es hilft. Es geht schon mal zur Sache, es ist laut, die Walzschmiede hat einen ganz schönen Wumms, man spürt das Vibrieren der Schläge in der ganzen Halle. Wir arbeiten mit heißem Stahl und wenn dann einer ruft: Vorsicht! – dann klingt das ruppig, ist es aber nicht. Einer der Pioniere des Unternehmens, Georg Schäfer, hat wohl mal gesagt: Die Schmiede ist das Herz des Unternehmens.“

Über das Team:
„Ich bin Teamleiter und führe ein Team von zwölf Leuten. Für die habe ich Personalverantwortung und bin deren disziplinarischer Vorgesetzter. Das ist eine fordernde Aufgabe. Ich bin der Puffer zwischen den Hierarchieebenen über uns und meinen Mitarbeitern. Einerseits muss ich schauen, dass meine Leute zufrieden sind, andererseits muss ich Zahlen liefern. Als Teamleiter stehst du immer unter Beobachtung. Da entwickelst du ein breites Kreuz. Du musst mit Menschen arbeiten, mit unterschiedlichen Charakteren. Du hast vielleicht ältere Kollegen, die haben nicht mehr so das Interesse, und Jüngere, die sind heiß. Oder auch umkehrt: Ältere, die noch etwas wollen und Jüngere, die erst einmal in die Spur finden müssen. Und die muss ich zu einem Team formen. Ich muss wissen, was die einzelnen Kollegen machen, wie sie sich entwickeln. Das ist eine spannende Aufgabe, und sie ist abwechslungsreich. Nicht jeder kann das. In der Ausbildung zum Teamleiter hat uns eine Psychologin begleitet. Da musst du dann auch mal auf den heißen Stuhl. Die anderen aus der Gruppe spiegeln dich wider und sagen dir ihre Meinung. Letztlich muss jeder seinen eigenen Führungsstil entwickeln. Mir ist wichtig, dass die Stimmung im Team stimmt.“

Über Gewerkschaft:
„Mir bleibt in unserer Gesellschaft zu oft die Solidarität auf der Strecke. Es heißt immer nur: Ich – Ich – Ich. Ich wünsche mir mehr Wir und weniger Ich. Die Leute sollten mehr an die Gemeinschaft denken. Denn wenn es der Gemeinschaft gut geht, dann geht es auch mir gut. Mal rein logisch gedacht.“

Über Arbeit und Geld:
„Schweinfurt ist die Kugellagerstadt. Meine Eltern haben sich hier im Betrieb kennengelernt. Die drei großen Industrieunternehmen hier vor Ort machen ihre Bewerbungstests am selben Tag. Wenn du bestehst, bekommst du eine super Ausbildung und kannst gutes Geld verdienen. Wir arbeiten in drei Schichten, und du kannst freiwillig Wochenendarbeit leisten. Manchmal muss man die Leute aber auch bremsen. Der 1. Mai zum Beispiel ist ein Tag, an dem du wegen der Zuschläge am besten Geld verdienen kannst. Aber am 1. Mai arbeiten – das geht für mich als Gewerkschafter ja gar nicht.“

Über Arbeitszeit:
„Ich gehe zur Arbeit, damit ich mir ein schönes Leben machen kann. Dazu gehört auch Zeit. Ich würde mir wünschen, dass du deine Arbeit besser an dein Leben anpassen kannst. Ich fand schon die Elternzeit eine gute Sache. Davon brauchen wir mehr. Wenn man zum Beispiel seine Eltern pflegen muss. Oder wenn man mal raus will. Ein Kollege hat hier mal ein Jahr lang ausgesetzt und eine Weltreise gemacht. So etwas finde ich gut.“

Fotos: Stephen Petrat.

© 2018 Unsere IG Metall