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„Im vergangenen Jahr war ich 100 Tage unterwegs auf Montage.“

„Im vergangenen Jahr war ich 100 Tage unterwegs auf Montage.“

Christian Karle
37 Jahre alt, gelernter Industriemechaniker, arbeitet als Außenmonteur bei Bosch Packaging Technology in Waiblingen.

Über seine Arbeit:
„Wir stellen Verpackungsmaschinen für Nahrungsmittel oder Pharmaprodukte her. Mein Bereich sind die Kartoniermaschinen. Derzeit baue ich eine Maschine für Thailand. Damit werden Fläschchen mit flüssigem Schmerzmittel abgepackt. Die Maschine faltet den Karton, packt den Beipackzettel, die Flasche und einen Dosierlöffel hinein. Ich bin für meine Maschine komplett zuständig. Ich baue sie auf, nehme sie in Betrieb, lasse sie hier in unserem Werk vom Kunden abnehmen; dann wird sie wieder abgebaut und verschifft, und vor Ort baue ich sie wieder auf. So eine Maschine misst um die zehn Meter, und ich brauche rund zwei Monate, um sie zu bauen. Vor Ort bin ich dann je nach Maschine ungefähr eine oder zwei Wochen zur Montage.“

Was ihm an der Arbeit wichtig ist:
„Die Qualität muss stimmen, wir sind schließlich Bosch. Druck ist immer da, du hast Termine und musst Kundenwünsche erfüllen. Gerade die letzten Tage vor einer Abnahme sind stressig. Aber wenn die Maschine dann fertig ist und du hast die Unterschrift vom Kunden – das ist schon ein tolles Gefühl. Dann siehst du, was du erschaffen hast. Mir ist auch wichtig, was wir hier produzieren: Unsere Maschinen können zum Beispiel Pharmaprodukte so verpacken, dass sie fälschungssicher sind. Wir geben Menschen Zugang zu haltbarer Nahrung und sicheren Arzneimitteln, das finde ich gut.“

Über das Unterwegssein:
„Im vergangenen Jahr war ich 100 Tage unterwegs. Das ist auch mal mit Stress verbunden, aber es macht mir Freude. Du bekommst die Welt zu sehen – und zwar aus einem ganz anderen Blickwinkel. Wo ich zur Montage hinkomme, gibt es ja keine Touristen. Wir Monteure genießen im Ausland ein hohes Ansehen, und oft laden mich Einheimische zu sich nach Hause ein, Kollegen aus dem Werk vor Ort zum Beispiel. Das ist spannend, ich lerne unheimlich viel. Obwohl ich schon seit 15 Jahren auf Montage gehe, bin ich noch nie beraubt worden, ein kleiner Verkehrsunfall in Istanbul, aber sonst ist nichts passiert. Ich bin weltoffen und finde es gut, dass ich diesen Blick auf die Welt haben kann. Manchmal macht mich das auch nachdenklich, und ich denke: Wir können dankbar sein für das, was wir haben. Wenn man in der ganzen Welt unterwegs ist, merkt man erst, wie viel Wohlstand und Absicherung wir hier genießen. Das gibt es woanders nicht.“

Über die IG Metall:
„Auch wenn wir hier bei Bosch ein gutes Verhältnis zur Unternehmensleitung haben – es muss einfach einen Gegenpart zur Arbeitgeberschaft geben. Es muss jemanden geben, der Paroli bieten kann. Mit Gewerkschaft geht es den Leuten in den Betrieben deutlich besser. Mir und meinen Kollegen gibt die Gewerkschaft Sicherheit.“

Fotos: Stephen Petrat.

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