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„Ich bilde mich gerade weiter zum Technischen Fachwirt. Man darf heutzutage nicht stehenbleiben.“

„Ich bilde mich gerade weiter zum Technischen Fachwirt. Man darf heutzutage nicht stehenbleiben.“

Arthur Nagel
26 Jahre alt, gelernter Fahrzeuginnenausstatter, arbeitet als Polsterer und Monteur bei Lear Corporation in Bremen.

Über seine Arbeit:
„Ich produziere Autositze für Mercedes-Benz, die Rückbänke für das Coupé und das Cabrio, alles im Akkord, pro Schicht mache ich 46 Sitze. Ich ziehe den Lederbezug über den Schäumling, mache das Leder mit einem Fön warm und mit Dampf geschmeidig. Leder ist wie Haut, durch die Hitze zieht es sich zusammen. Da muss man aufpassen, man darf den Fön nicht zu lange auf einer Stelle halten, sonst verbrennt das Leder und der Bezug ist unbrauchbar. Mit einem Schweineknochen streiche ich das Leder in den Ecken glatt. Ja, tatsächlich ein Schweineknochen, der läuft spitz zu, sieht ein bisschen aus wie eine Nagelfeile, nur größer. Schweineknochen hat sich als optimales Werkzeug für diese Arbeit erwiesen, Metall würde wegen des Föns zu heiß werden. Wir arbeiten just-in-time. Die Sitze, die ich in einer Nachtschicht mache, werden am nächsten Morgen bei Mercedes-Benz hier in Bremen in die Autos eingebaut.“

Über Arbeit, Akkord und Geld:
„Man bekommt hier kein Geld fürs Nichtstun. Du verdienst gut, aber die Qualität muss auch stimmen. Ich würde jetzt nicht sagen, dass die Arbeit riesigen Spaß macht. Als Fahrzeuginnenausstatter habe ich gelernt, wie man Sitzbezüge näht oder Stoffe zuschneidet. Hier ziehe ich einfach den fertigen Lederbezug über, das ist auf Dauer schon eintönig. Manchmal werde ich auch in der Qualitäts-Endkontrolle eingesetzt, das macht mir mehr Spaß, weil ich da mehr Verantwortung habe. Da schaue ich, ob der Sitz in Ordnung ist, dass die Kabelbäume richtig verlegt sind, ob das Leder noch Falten hat oder verbrannt ist. Ich würde gerne angenehmer arbeiten, vom Arbeitstempo her. Natürlich könnte ich auf den Akkord verzichten, aber dann würde ich auch 30 Prozent weniger verdienen.“

Über Arbeitszeit und Zukunftspläne:
„Ich arbeite in Dauernachtschicht. Die ersten Wochen waren schwierig, da fühlst du dich regelrecht benebelt, so als wärst Du feiern gewesen. Aber man gewöhnt sich dran. Wenn dir die Familie den Rücken freihält, dann geht das. Ich verdiene damit gutes Geld, und durch die Dauernachtschicht habe ich die Möglichkeit, mich tagsüber weiterzubilden. An einer Universität lasse ich mich zum Technischen Fachwirt ausbilden, das ist eine Art Bindeglied zwischen Produktion und Büro. Auf Dauer möchte ich einfach mehr Verantwortung tragen. Man darf heutzutage nicht stehenbleiben, die Weiterbildung zahle ich aus eigener Tasche. Wenn ich damit fertig bin, schaue ich, ob sich hier im Unternehmen etwas für mich ergibt.“

Über Gewerkschaft:
„Die Gewerkschaft macht einfach viel. Wir bekommen alle Urlaubs- und Weihnachtsgeld durch die Tarifverträge der IG Metall, außerdem regelmäßige Lohnerhöhungen. Wenn gestreikt wird, bekommen wir Streikgeld. Das Wichtigste an Gewerkschaft ist für mich der Zusammenhalt. Deshalb bin ich auch Vertrauensmann geworden.“

Fotos: Stephen Petrat.

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