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„Alles ist schneller geworden – aber die neue Maschine entlastet die Leute auch.“

„Alles ist schneller geworden – aber die neue Maschine entlastet die Leute auch.“

Andreas Wiest
34 Jahre alt, arbeitet als Maschinenführer bei Nolte Küchen in Melle.

Über seine Arbeit:
„Ich bin Maschinenführer in der Schubladen-Fertigung. Die Maschine ist nagelneu, die steht gerade ein halbes Jahr hier. Das läuft alles vollautomatisch, hier wird viel mit Software gearbeitet. Am Anfang steht ein Auftrag, und am Ende kommt ein fertiger Schubladenschrank heraus. Jedes Teil hat einen Barcode oder einen QR-Code, den der Roboter lesen kann. Der weiß dann, welche Löcher in die Schubladenfront gebohrt werden müssen, je nach dem, welche Griffe und Beschläge vorgesehen sind. Die Maschine prüft auch, ob die richtigen Teile verwendet werden, ob zum Beispiel die Maße stimmen und so weiter. Der Roboter transportiert die Fronten dann über Laufbänder in ein Hochlager, da passen 7000 Teile rein. Die werden zwischengelagert, bis sie für den nächsten Schritt gebraucht werden. Das weiß das Computerprogramm alles, holt die Teile im richtigen Moment raus, und dann holt sich der Roboter die richtigen Zargen und schließlich wird die Schublade mit der Rückwand verheiratet. Am Ende hängen zwei Kollegen die Schubladenkästen in die Schränke ein. Was wir hier machen, ist also schon fast Industrie 4.0. Als Maschinenführer überwache ich die Produktion, ich schaue zum Beispiel, dass sich nichts verklemmt. Kleinere Probleme können wir dann selber lösen. Doch, dieses System gefällt mir, dieser Roboter hier.“

Wie sich die Arbeit verändert hat:
„Alles ist schneller geworden, aber durch die neue Maschine werden die Leute auch entlastet. Die Arbeit ist deutlich ergonomischer geworden. Zum Beispiel sind die Teleskopschienen jetzt nicht mehr in den Schubladenkästen eingebaut, sondern direkt in den Schränken. Dadurch sind die Schubladenkästen deutlich leichter geworden und können einfacher in die Schränke eingehangen werden. Das hat sich wirklich deutlich verbessert. Die Firma schaut schon drauf, dass die Arbeit leichter wird. Wir wollen hier demnächst auch mehr rotieren. 222 Tage im Jahr Schubladen in Schränke hängen – das hält ja kein Mensch aus.“

Was er an seiner Arbeit mag:
„Ich komme gerne zur Arbeit. Es passiert auch ganz selten, dass ich krank bin. Irgendwo ist man doch stolz, am Ende des Tages etwas geschafft zu haben. Ich war von Anfang an dabei, als die neue Maschine hier aufgebaut wurde. Wenn man sieht, wie sich das entwickelt, von null an, als hier noch gar nichts stand – das ist schon spannend, und das macht dann Spaß.“

Über Gewerkschaft:
„Ich bin 2001 in die IG Metall eingetreten. Gewerkschaft kannte ich gar nicht, aber ich hatte einen Kollegen, der war da sehr engagiert und hat mich geworben. Ich sehe das so: Jeder von uns zahlt einen Beitrag, damit es uns gut geht. Ich bin in der Gewerkschaft, damit es auch meine beiden Jungs später gut haben. Die sind jetzt neun und sieben Jahre alt, irgendwann kommen die auch ins Berufsleben. Und dann sollen die auch noch gute Arbeitsplätze finden.“

Fotos: Stephen Petrat.

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