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„Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, nachts zu arbeiten.“

„Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, nachts zu arbeiten.“

Andreas Kaiser
48 Jahre alt, Energieanlagenelektroniker, arbeitet bei Amcor Flexibles in Teningen.

Über seine Arbeit:
„Wir stellen Verpackungsmittel her – alles, was mit Folien und Kunststoff zu tun hat: Joghurtdeckel, Verpackungen für Kaffee, die Folien für Käseecken oder die Instant-Beutel für Ketchup. Als Elektriker bin ich für die Instandhaltung zuständig. Alles, was elektrisch ist und kaputtgeht, repariere ich. Oder ich muss irgendwo eine neue Steuerung einbauen. Ich mag die Abwechslung. Ich komme viel im Betrieb herum, arbeite an verschiedenen Stellen und spreche mit vielen Kolleginnen und Kollegen. Und die Stimmung bei uns in der Elektro-Werkstatt ist gut. Das liegt auch an meinem Vorgesetzten, auf den kann ich mich verlassen.“

Was sich verändert hat:
„In den 90er-Jahren waren wir hier mal 1100 Beschäftigte, jetzt sind wir noch 340. Da kann man sich vorstellen: Die Stimmung war auch schon mal besser. Der Markt für Verpackungsmittel wächst nun mal nicht mehr, und wir leben vor allem von Altkunden wie Ehrmann und Ferrero. Zugleich investiert das Unternehmen nicht genug. Das ist bei uns im Betriebsrat immer wieder ein Thema, das wir gegenüber dem Unternehmen auch ansprechen. Wir schrumpfen stetig weiter, wenn jemand geht, kommt kein Ersatz, und das Durchschnittsalter liegt bei 47 Jahren. Aber jammern hilft nicht. Viele Menschen machen sich ja heutzutage Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Ich finde, es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel, wenn man schwerkrank wird. Ich mache meine Arbeit jedenfalls noch mit Freude. Und solange das so bleibt, ist es gut.“

Über Schichtarbeit:
„Ich arbeite in drei Schichten, Nacht-, Früh- und Spätschicht. Früher war das okay, aber heute weiß ich: Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, nachts zu arbeiten. Mit der Nachtschicht wirst du aufgewühlter, reizbarer. Das kriegt dann auch die Familie zu spüren. Und anschließend brauchst du mindestens zwei Tage, um wieder im Rhythmus zu sein. Ich finde es deshalb wichtig, dass die Leute etwas Anderes machen können, wenn sie die Schichtarbeit nicht mehr vertragen. Junge Leute brauchen Geld, das war immer so, und die machen dann erstmal Schichten. Aber je älter du wirst, desto wichtiger wird dir die Gesundheit.“

Über Gewerkschaft und Betriebsrat:
„Ohne die Tariferhöhungen, die wir als IG Metall erstreiten, sähe unser Portmonee ziemlich leer aus. Deshalb finde ich es in Ordnung, wenn jeder seinen Beitrag leistet. Und den Gewerkschaftsbeitrag bekommst du bei jeder Lohnerhöhung locker wieder heraus. Durch den Tarifvertrag verdienen wir hier alle nicht schlecht. Das ist dann aber auch der guten Organisation des Betriebes geschuldet. Wir sind hier zu mehr als 90 Prozent in der IG Metall organisiert, wir sind ein Kampfbetrieb. Es gab hier mal den Fall, dass die Geschäftsführung Flyer verteilt hat, da stand drauf, was wir so alles bekommen. Da mussten wir doch herzlich lachen. Na klar bekommen wir das. Aber doch nicht, weil das Unternehmen es uns gibt, sondern weil wir es uns erkämpft haben. Vor drei Jahren bin ich Betriebsrat geworden. Ich war mir zunächst nicht sicher, ob das etwas für mich ist. Aber es ist einfach super: Im Betriebsrat habe ich ein zweites Team gefunden, in dem ich mich wohlfühle.“

Fotos: Stephen Petrat.

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