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„Vielerorts gilt jetzt schon Equal Pay, auch dank der Tarifverträge der IG Metall.

„Vielerorts gilt jetzt schon Equal Pay, auch dank der Tarifverträge der IG Metall.

Andreas Brandl
45 Jahre alt, gelernter Heizungs- und Sanitärinstallateur, arbeitet als Niederlassungsleiter bei Tuja Zeitarbeit GmbH in Schwandorf.

Über seine Arbeit:
„Ich vermittle Menschen in Zeitarbeit. Wenn man so will, habe ich die Ehre, die Bewerber in den Arbeitsmarkt zurückzuführen. Mittlerweile leite ich vier Niederlassungen und bin verantwortlich für 1400 externe und 23 interne Mitarbeiter. Angefangen habe ich hier selbst als Leiharbeiter, damals war ich in der Instandhaltung bei BMW eingesetzt, wurde dann Einsatzleiter und bin dann bis zum Niederlassungsleiter aufgestiegen.“

Was ihn an der Arbeit reizt:
„Mein Tagesgeschäft besteht aus Gesprächen ohne Ende. Ich spreche mit Bewerbern, mit den entliehenen Mitarbeitern, mit meinen internen Mitarbeitern, mit den Unternehmen. Manchmal mag ich abends nicht mehr sprechen (schmunzelt)… Aber ich mag diese Abwechslung. Jeder Bewerber ist anders, jeder Kunde ist auch anders. Du musst den Leuten gerecht werden, und das ist alles andere als eintönig. Ich versuche immer, das Beste für den Mitarbeiter zu erreichen. Das klappt auch oft. Viele unserer Leute arbeiten schon lange hier, und wir haben auch viele dabei, die immer wieder zu uns kommen.“

Über Leiharbeit:
„Natürlich weiß ich, dass die Branche umstritten ist. Das war sie schon, als ich hier anfing. Aber mich ärgert, wenn dann alle über einen Kamm geschert werden. Klar gibt es da schwarze Schafe. Die Bewerber erzählen mir haarsträubende Geschichten: Da verschwinden Krankenscheine, da werden Arbeitsverträge vernichtet, die Leute werden um ihr Geld gebracht. So würde ich nicht arbeiten wollen. Wenn ich das höre, bin ich froh, dass wir hier gesetzeskonform arbeiten. Mir ist wichtig, dass es fair zugeht. Man muss auch sehen, dass sich die Zeitarbeit entwickelt hat. Es ist ja nicht mehr so, dass Leiharbeiternehmer immer gleich Billig-Arbeitnehmer sind. Vielerorts gilt jetzt schon Equal Pay (gleiche Bezahlung für Stammbeschäftigte und Leiharbeiter), auch dank der Tarifverträge der IG Metall. Es gibt Branchen, in denen die Leute nicht so fair bezahlt werden wie in der Zeitarbeit, bei Friseuren ist das so oder im Einzelhandel. Ich kann mich noch erinnern, wie in der untersten Entgeltstufe für Leihbeschäftigte 7,19 Euro gezahlt wurden. Jetzt sind es 9,23 Euro. Da tut sich immerhin was. Wir haben das Glück, dass unser Betriebsrat in der Tarifkommission sitzt, die Tarifverträge für die Leiharbeit aushandelt.

Über Gewerkschaft und Betriebsrat:
„Ich hatte schon immer einen Gerechtigkeitsfimmel. Wenn jemandem Unrecht getan wird, dann setze ich mich für ihn ein. Als die IG Metall hier 2008 einen Betriebsrat gegründet hat, habe ich da mitgemacht. Als Betriebsrat kannst du dich für die Schwächeren einsetzen, und das finde ich wichtig.“

Über die Zukunft der Leiharbeit:
„Zeitarbeit ist auf unserem Arbeitsmarkt nicht mehr wegzudenken. Es gibt ja ein neues Gesetz, wonach Zeitarbeitnehmer nach 18 Monaten übernommen werden müssen. Ich weiß nicht, ob das funktioniert. Die Arbeitgeber könnten die Leute vorher abmelden. Dann warten sie drei Monate, und dann können dieselben Leute wieder bei der Firma anfangen. Das kann nicht im Sinne der Betroffenen sein. Und das finde ich dann auch nicht in Ordnung.“

Was ihm beim Thema Arbeitszeit wichtig ist:
„Als Niederlassungsleiter klingelt bei mir auch schon mal nach 17 Uhr das Handy. Das ist für mich in Ordnung, sonst würde ich das Telefon ja ausschalten. Meine knappe Freizeit genieße ich dann in vollen Zügen. Zum Beispiel auf meinem Motorrad.“

Fotos: Stephen Petrat.

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