Portraits 125 Jahre IG Metall Mitglieder geben der Organisation ein Gesicht Großwäscherei BDK in Duisburg

„Ich sage immer: Überleg mal, was dir die Gewerkschaft alles bringt!“

„Ich sage immer: Überleg mal, was dir die Gewerkschaft alles bringt!“

Andrea Gräber
58 Jahre alt, gelernte Näherin, arbeitet in der Wäscherei der Betriebsgesellschaft Duisburger Krankenhäuser.

Über ihre Arbeit
„Ich arbeite im Bekleidungscenter. Wir statten Krankenhäuser mit Kleidung für das Personal aus. Wenn also zum Beispiel ein neuer Arzt anfängt, dann bestellt das Krankenhaus bei uns eine Anzahl von Kitteln und Hosen. Die werden mit einem Chip ausgestattet, so dass sie dem Arzt zugeordnet werden können. Hier läuft schon alles über Computer. Wir kümmern uns komplett um die Ausstattung, waschen sie, bessern sie auch aus oder erneuern sie. Die Krankenhäuser selbst leasen immer mehr Berufskleidung.“

Portraits 125 Jahre IG Metall Mitglieder geben der Organisation ein Gesicht Großwäscherei BDK in Duisburg

Über die Branche
„Bei uns in der Branche ist viel Schmutzkonkurrenz unterwegs. Die unterbieten dann die Preise, weil sie aus dem Tarif ausgeschert sind und nur noch Mindestlohn zahlen. Das Unternehmen hat deshalb schwere Zeiten erlebt. Ohne uns, ohne den Betriebsrat gäbe es den Laden gar nicht mehr. Wir haben einen Restrukturierungstarifvertrag abgeschlossen und verzichten auf einen Teil vom Weihnachtsgeld, vom Entgelt und vom Urlaub. Mit der Maßgabe, dass wir 2018 wieder in den Flächentarifvertrag zurückkehren. Die Alternative war Insolvenz. Ja, da haben wir Einiges möglich gemacht. Mir war es wichtig, dass wir hier Arbeitsplätze erhalten konnten, vor allem, weil es Frauenarbeitsplätze sind, die nach Tarif bezahlt werden. Und Dank aller Kolleginnen und Kollegen können wir ein hohes Qualitätsniveau halten.“

Über Frauenarbeitsplätze
„Wäscherin ist ja der älteste Frauenberuf der Welt. Das ist eine typische Niedriglohnbranche, und hier arbeiten überwiegend Frauen. Die haben übrigens alle was gelernt. Aber wie das dann so ist: Sie erziehen Kinder, dann wollen sie zurück in den Beruf, dann klappt das im erlernten Beruf nicht immer. Bei mir war das ja ähnlich. Als ich hier anfing, wollte ich auch nur einen Sommer bleiben (lacht). Das ist jetzt 21 Jahre her. Viele sind auch nur geringfügig beschäftigt oder arbeiten Teilzeit, weil sie sich um die Kinder kümmern. Für die will ich was tun. Ich bin keine Emanze. Ich bin für Frauen. Ich habe auch nichts gegen Männer. Ich finde, jede sollte sich einen halten. Mach ich auch. Seit 40 Jahren (lacht).“

Über Löhne und Armut
„Mindestlohn? Ich finde, Tariflöhne sollten Mindestlöhne sein. Bei uns sind die Löhne ja schon nicht hoch. Aber mit dem Mindestlohn treibst du die Leute erst recht in die Armut und Altersarmut. Das sollte man der Merkel mal sagen.“

Über Gewerkschaft und Arbeitskampf
„Ich sage meinen Leuten: Überleg mal, was dir die Gewerkschaft alles bringt. Sie sorgt dafür, dass der Arbeitgeber reelle Löhne zahlt. Dass die Löhne regelmäßig steigen. Dass du nicht auf Mindestlohn herunterfällst. Und du hast Rechtsschutz, kriegst Streikgeld. Das alles für ein Prozent vom Bruttolohn. Das ist doch wohl eine ganze Menge. Wir haben hier auch schon gestreikt. Da standen wir dann da draußen auf dem Parkplatz, mit Gulaschsuppe und allem Drum und Dran. Als Betriebsrätin weiß ich: Ich habe meine Mädels hinter mir. Die gehen mit mir raus, wenn es sein muss.“

Fotos: Stephen Petrat.

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