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„Wir brauchen mehr persönlichen Dialog statt uns nur Buchstaben hin- und herzuschieben – auch im Betrieb.“

„Wir brauchen mehr persönlichen Dialog statt uns nur Buchstaben hin- und herzuschieben – auch im Betrieb.“

Alessandro Bellocco
37 Jahre alt, Elektriker, arbeitet bei ThyssenKrupp Aufzugswerke in Neuhausen auf den Fildern.

Über seine Arbeit:
„Ich arbeite in der Steuerungskontrolle, auch bekannt als Prüffeld. Ich prüfe die Steuerungsanlage und nehme sie in Betrieb, bevor sie dann verpackt und an den Kunden geliefert wird. Die Steuerungsanlage ist das Gehirn des Aufzugs. Von hier wird der Aufzug gesteuert: Die Anlage wertet die Befehle aus und setzt letztlich den Motor in Betrieb. Ich muss alle Funktionen überprüfen, auf Fehler untersuchen und die Fehler beheben. Das kann nervenaufreibend und zeitaufwändig sein. Manchen Fehler findet man in einer Minute, für andere braucht man Stunden. Umso schöner, wenn ich den Fehler dann entdeckt habe. Das motiviert mich.“

Über Arbeit und Kommunikation:
„Ich arbeite nah an der Fertigung und an den Konstrukteuren. Das ist praktisch: Wenn ich Hilfe bei einer Problemlösung brauche, gehe ich schon mal rüber und spreche mit den Leuten. Überhaupt ist Kommunikation wichtig, in der Arbeit wie privat. Aber das Paradoxe ist: Je mehr Möglichkeiten zur Kommunikation wir haben, desto weniger reden wir miteinander. Ich nehme mich da selbst nicht aus. Es gibt Tage, da schreibe ich mehr Nachrichten als dass ich mit Leuten rede. SMS und E-Mail führen aber zu Missverständnissen. Wir brauchen mehr persönlichen Dialog statt uns nur Buchstaben hin- und herzuschieben. Mehr Dialog wünsche ich mir auch im Betrieb. Die Leute in der Fertigung müssen mehr einbezogen werden. Die haben oft die besten Verbesserungsideen. Denn sie haben Erfahrung und wissen, wo der Hammer hängt.“

Was ihn sorgt:
„Viele Komponenten werden mittlerweile zugekauft. Das macht mir Angst. Die Arbeitsplätze, an denen wirklich geschafft wird, verschwinden nach und nach. Das ist ein schleichender Prozess. Da müssen wir hellwach sein, auch als Gewerkschaft. Ich glaube, dass das Thema Standorterhaltung in Zukunft wichtiger wird. Das bewegt auch die Kolleginnen und Kollegen. Viele fürchten ja, dass die Arbeit verlagert wird. Der Ruf unserer Qualitätsarbeit darf nicht leiden, weil wir zu viel auslagern.“

Über die IG Metall:
„Ich habe mich schon als kleiner Junge für Fairness eingesetzt. Das verbindet mich mit der IG Metall. Wenn es irgendwo ungerecht zugeht, dann muss man das ansprechen – und ändern. Wir dürfen nicht vergessen, was die Gewerkschaft schon alles erreicht hat. Viele, die nicht in der Gewerkschaft organisiert sind, sehen das als Selbstverständlichkeit an. Das ist es aber nicht.“

Fotos: Stephen Petrat.

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